Kuba: Das liebe Geld …

Es geht irgendwie mehr ums Prinzip. Ich hätte gerne ein paar kubanische Pesos in meiner Geldbörse. Nur so, ohne tieferen Grund. Es kann doch nicht sein, dass Martin und ich seit drei Tagen in Havanna unterwegs sind und noch immer nicht die Währung der normalen Bevölkerung in der Hand hatten.

Zum Verständnis: In Kuba gibt es zwei Währungen. Den Kubanischen Peso und den CUC. CUC steht für CUbano Convertible und ist die harte Devisenwährung. Dafür kann auf der Insel man alles kaufen – zumindest das, was es in den Läden gibt … Wenn man als Ausländer am Flughafen oder im Hotel Euro wechselt, bekommt man, ohne Nachfrage, CUC. Ganz einfach.

Der Lohn eines Kubaners aber wird in Kubanischen Pesos ausgezahlt. „La Moneda Nacional“. Auf dem drei Peso-Schein ist ein Bild von Che Guevara, auf dem ein Peso Stück ist ein Stern geprägt. Drumherum steht: „Patria o Muerte“. Vaterland oder Tod. Das Geld sieht recht hübsch aus, ist aber im Grunde nicht viel wert. Nur Busfahrttickets und die absoluten Grundnahrungsmittel wie Reis, Bohnen und Zucker gibt es gegen Peso.

Und da kommt auch schon eine weitere Komponente ins Spiel. Die „Libretta“, das heißt: Das System der Lebensmittelmarken. Jeder Kubaner bekommt ein kleines Büchlein, darin steht in langen Tabellen, wie viel Nahrungsmittel ihm im Monat zustehen. Eine unverheirateten Frau – wie ich zum Beispiel – bekommt sieben Pfund Reis, drei Pfund weißen, ein Pfund braunen Zucker, cirka ein Kilo Hühnchenfleisch, 110 Gramm Kaffee, zehn Eier, einen halben Liter Öl, ein Pfund Soja-Fleischersatz (igitt!!!), knapp 300 Gramm Bohnen und täglich ein kleines Brot. Dies kann sie für wenige Centimos in dem zugewiesenen Laden kaufen. Billig. Staatlich subventioniert.

Die Ration reicht einige Tage, aber definitiv keine vier Wochen. Außerdem fehlt Gemüse und Obst. Das gibt es ebenfalls gegen Pesos. Viele Pesos. Auch wer mehr Hunger auf Reis hat, muss dafür ein vielfaches des subventionierten Preises zahlen.
Alles andere, also Shampoo, Kleidung, Süßigkeiten, Joghurt oder Käse ganz zu schweigen von technischen Geräten, Batterien oder Werkzeug gibt es nur in CUC. Das durchschnittliche Monatseinkommen eines Kubaners liegt bei 400 Pesos, das sind 17 CUC – 13,50 Euro. Ein Liter Benzin kostet 2,4 CUC, eine Minute mit dem Handy telefonieren 45 Cents.

Eben haben wir eine Dame auf der Straße gefragt, ob sie uns ein paar Pesos ausleihen kann (fürs Foto …) Sie lacht. „Was wollt ihr denn mit unserem Geld?“, fragt sie . „Ist doch eh nichts wert.“

Text: Gaby Herzog
Fotos: Martin Steffen