Der „Nonnen-Erlebnistag“

Ich weiß, es heißt Schwestern und nicht Nonnen, aber Nonnen klingt einfach netter. Ich feiere heute nicht nur meinen Geburtstag, sondern habe auch meinen „Nonnen-Erlebnistag“.

Eva Habermann feiert mit den Kindern in Léogâne, Haiti, ihren Geburtstag.

Eva Habermann feiert mit den Kindern in Léogâne, Haiti, ihren Geburtstag.

Der Tag begann damit, dass die Schwestern und Novizinnen mit Pfirsichsekt (hat stolze 4,6 Prozent Alkohol) auf meinen Geburtstag angestoßen haben und ich mich nicht beherrschen konnte, also etwas fragen musste, was ich schon immer fragen wollte: „Womit droht man unter Schwestern, wenn man sich beim Zuprosten nicht in die Augen schaut?“ Ich glaube, sie haben mich nicht richtig verstanden und haben mich nur relativ irritiert angesehen. Eine Antwort sind sie mir noch schuldig geblieben.
Fauxpas-Verhältnis Eva : Schwestern = 1:0
Später haben die Kinder der Schule dann ein paar Tänze für mich aufgeführt und gesungen. Sie hatten draußen den Pavillon mit Girlanden und Luftballons geschmückt und an eine Tafel mit bunter Kreide : „Bon fête Madame Eva“ geschrieben. Das war sehr niedlich.
Beim Mittagessen gab’s dann die Geschenke: Lauter Touristen-Souvenirs von Haiti, auf denen Haiti draufsteht, als Geschenke der verschiedenen Schulen, die ich hier besuche. Es gab leckeres Essen, und die Schwestern hatten sogar eine Torte vorbereitet, auf der wohl eine 38 stecken sollte (dass ich 39 geworden bin, spielt hier keine Rolle.) Aber irgendein Mensch hatte die Reihenfolge der Zahlen vertauscht, so prangte auf meiner Torte eine „83“, und für 83 hab ich mich relativ gut gehalten. Fauxpas auf Seite der Schwestern – es steht 1:1.

Souvenirs, Pfirsichsekt, Geburtstagstorte und eine festliche Tafel: Die Schwestern in Léogâne bereiteten Eva Habermann einen fröhlichen Geburtstag.

Souvenirs, Pfirsichsekt, Geburtstagstorte und eine festliche Tafel: Die Schwestern in Léogâne bereiteten Eva Habermann einen fröhlichen Geburtstag.

Dann sind wir gemeinsam zum Strand gefahren, an einen Privatstrand von einem kleinen Hotel (hier muss man zahlen), damit auch die Novizinnen ungesehen baden konnten. Die Schwestern haben allerdings so getrödelt, dass wir erst um 15 Uhr losgekommen sind. Dadurch hatten wir nur noch eine Stunde Sonne übrig.
Das war Fauxpas 2 der Schwestern – es steht 1:2.
Auf dem Weg zum Strand im VW-Bus erledigten die Schwestern noch ihre Mittagsgebete und sangen ihre Psalmen. Ganz klischeemäßig bin ich also mit einem Bus singender Schwestern an den Strand zum Baden gefahren! Die Ausbildung der Schwestern wird übrigens von Adveniat unterstützt.
Die Novizinnen konnten nicht schwimmen und haben sich nur im flachen Wasser aufgehalten, auch weil sie Angst vor der Tiefe hatten. Zu meiner Verwunderung sind sie aber nicht mit mitsamt ihrer Tracht schwimmen gegangen, sondern im Badeanzug. Die Schwestern gingen gar nicht erst ins Wasser. Ich planschte währenddessen zwanzig Meter weiter im Meer, und die Novizinnen kreischten herum, weil sie sich Sorgen machten, ich würde untergehen. Es ist unglaublich, aber selbst wenn die Menschen das Meer hier direkt vor der Nase haben, lernen die wenigsten Schwimmen.
Später gesellte ich mich zu ihnen. Und dann begann die Novizin Almandie mit glibberigem Seetang, der in Strandnähe schwamm, herumzuwerfen und versuchte auf mich zu zielen. Ich warf ihn zurück und traf sie mitten am Kopf, wo das Knäuel Seetang auch hängenblieb. Und das, obwohl ich bei Schneeballschlachten normalerweise NIE treffe. Es tat mir dann sofort fürchterlich leid. Almandie bekam einen kurzen hysterischen Anfall.

OK, Fauxpas meinerseits – der Tag endet also 2 : 2.

Abends sind wir dann alle, sehr müde vom Schwimmen im Meer, früh schlafen gegangen. Um 5:30h geht es ja morgen früh schon wieder los …