Der Ort im Sumpf

Wieviele Kilometer umfasst der längste Fluss Deutschlands? Wo entspringt er und worein mündet er? Wie sind die Alpen entstanden? Und woher stammt der Name „Berlin“? Bin ich jetzt Erdkundelehrerin geworden?

Immer wissbegierig: Die Schüler in Haiti, wie hier ein Mädchen aus der Kapellenschule in Letiro.  Foto: Martin Steffen

Immer wissbegierig: Die Schüler in Haiti, wie hier ein Mädchen aus der Kapellenschule in Letiro. Foto: Martin Steffen

Wie immer fragte ich die fünfte Klasse heute – diesmal an der Schule von Schwester Claudette – was sie über Deutschland gerne wissen wollten. Nichtsahnend, dass die Schüler mir sehr spezifische Fragen stellen würden. Den Rhein als längsten Fluss hatte ich noch im Kopf, auch die ungefähre Kilometerzahl, aber bei „Berlin“ musste ich tatsächlich das Internet zu Rate ziehen und würde fündig: Berlins frühere Schreibweise war erst Berlyn und davor Brilyn. „Bri“ bedeutet nichts anderes als Morast oder Moor. -lyn ist eine typische Endung für eine Ortschaft. Also der Ort im Sumpfgebiet – wer hätte das gedacht?
Hab ich also hier in Haiti wieder was dazugelernt! Die Kinder fragten, ob ich jetzt jeden Tag zu ihnen käme und ihnen etwas beibringen würde. Das fand ich wirklich entzückend, aber ich bin ja jeden Tag in zwei anderen Klassen, damit alle Schüler in den Genuss meiner schier unerschöpflichen Erdkundekenntnisse und Geschichtskenntnisse über Deutschland kommen … und natürlich meiner allseits beliebten Loombänder. Ich bringe den Kindern auch gerne bei, wie ein Kanon funktioniert. Das kennen sie nämlich hier nicht (übrigens weder die Schüler noch die Lehrer). Jede Klasse muss folglich mindestens einmal mit mir „Frère Jacques“ (Bruder Jakob) singen.
Ich hatte am Sonntag bei der Messe den Kirchenchor begleitet, und prompt bekam ich die Anfrage, ob ich auch Gitarrenunterricht geben würde. Als der fünfzehnjährige Patrick dann am Nachmittag zu seiner ersten Gitarrenstunde kam, hab ich mir ganz schön einen zurechtgestammelt auf Französisch, da ich die meisten Gitarrenworte nicht kannte. Am Ende der Stunde könnte er zwei Akkorde spielen und „Sur Le Pont d’Avignon“ begleiten. Ich werde ihm diese Woche noch zwei weitere Stunden geben. Vielleicht kann ich meine Gitarreneinsätze noch mal aufnehmen, damit sie dann im Blog oder auf der Adveniat-Seite zu hören sind.
Clau war heute übrigens wild entschlossen mit seinem „Moto“ zur Schule zu fahren, wie auch schon gestern zur Kirche, aber die Schwestern haben es ihm ausgeredet, da das Spielzeug nicht wirklich dazu geeignet ist, längere Wege damit zurückzulegen.