Dom Rep: Das große Schenken

Die Supermärkte sind schon seit Wochen geschmückt.

Der Supermarkt gegenüber dem Priesterseminar ist schon seit fünf Wochen festlich geschmückt. An der Tankstelle an der nächsten Kreuzung sind überlebensgroße Krippenfiguren aufgestellt, das Jesuskind, Maria, Josef und sogar Ochse und Esel sind von innen beleuchtet. Entlang der großen Ausfallstraßen in Richtung Norden warten ganze Herden weiß glitzernder Rentiere, Wälder von bunten Tannenbäumen und Galaxien blinkender Sterne auf Käufer.

Es weihnachtet bunt und schillernd in Santo Domingo. Das ist nicht nur Ausdruck der Vorfreude auf die gemeinschaftlichen Feiern im Kreise der Lieben. Denn die Weihnachtszeit ist in der Dominikanischen Republik die Zeit der „Geschenke“. Nein, nein, damit sind nicht die bunt verpackten Präsente gemeint, sondern ein Millionen schwerer Geldregen, der vor allem über den Reichen und Mächtigen niederprasselt.

In dem Karibik-Staat blüht die Korruption. Auf den Straßen in der Hauptstadt stehen morgens dunkle Luxus-Jeeps und SUVs in langen Reihen im Stau, die Fenster der Neubauhochhäuser in den Nobelviertels sind verspiegelt, überall wird gebaut. Kaum vorstellbar, dass nur einige Blocks weiter die Viertel beginnen, in denen die Menschen in Hütten aus Holz und Wellblech in bitterer Armut leben. Das soziale Gefälle und Ungerechtigkeit sind groß. Während die Einen täglich ums überleben kämpfen müssen, werden die Günstlinge des Systems verwöhnt. Tausende stehen beim Staat auf der Gehaltsliste, ohne dafür etwas etwas zu tun. Freunde, Verwandte und Unterstützer werden ganz ungeniert mit gut dotierten Jobs versorgt.

Nur wenige Glückliche erhalten vom Staat Geschenke.

Zu Weihnachten erreicht die Großzügigkeit ihren Höhepunkt. Im Staatshaushalt stehen ganz offiziell 137 Millionen Peso (2,7 Mio. Euro) für Weihnachtsgeschenke zur Verfügung. An wen die Gaben gehen, dürfen die Abgeordneten frei entscheiden. Auch die „Primera Dama“, die Frau des Präsidenten, muss keine Rechenschaft darüber ablegen, was sie mit ihren jährlichen 500 Millionen Peso (10 Mio. Euro) anstellt. Fest steht, dass ihr Budget höher ist, als das der drei Ministerien Arbeit, Familie und Jugend zusammen. Und: Ihre Weihnachtsgeschenke sind erlesen und zeugen von Geschmack und Qualität.

Wer gibt, dem wird gegeben… Auch die Chefs der drei großen Supermarktketten des Landes lassen sich nicht lumpen. Zu Weihnachten überreichen sie jedem Abgeordneten angeblich einen Einkaufsgutschein über 430.000 Peso (8.600 Euro), der bis Oktober des Folgejahres einzulösen ist. Die Politiker sollen damit in ihrem Wahlkreis Gutes tun. Ob die Armen und Bedürftigen davon profitieren? Überprüft wird das nicht.

Text: Gaby Herzog, Foto: Achim Pohl