Ecuador: Blitzblanke Erstkommunion

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Es ist Freitag, mein erster „richtiger“ Tag in Ecuadors Hauptstadt Quito. Während ich noch auf dem Rasen mit den Kindern spiele und ausgefragt werde, wieso ich denn grüne Augen habe und wieso der Name Genesis denn auch auf Deutsch Genesis heißen würde, kommen gleich mehrere Frauen und Männer mit Besen auf die Kirche zu. „Wie aus einem Werbespot“ schießt es mir durch den Kopf, aber keineswegs: Am Samstag feiern wir in der Kirche die Erstkommunion von 12 Kindern. Und alle Eltern sind aufgerufen, mit Besen vorbeizukommen und beim Reinemachen zu helfen. Gesagt, getan.

Wir schieben gemeinsam alle Bänke nach vorne, schrubben den hinteren Teil. Alicia, die Haushaltsgehilfin, kocht in einem grossen Topf Wasser auf. Denn die richtigen Flecken sind nicht ganz so einfach wegzukriegen. Manche Kinder sind auch dabei, schrubben nach dem Vorbild der Erwachsenen. Dann das ganze Prozedere noch einmal: Die Bänke nun nach hinten, in den sauberen Teil tragen, vorne wird geschruppt, der Altarraum wird mit weißen Rosen verziert, Luftballons werden aufgehängt und die Bänke für die Kommunionkinder dekoriert.

Es sieht gut aus, alle gemeinsam. Dass nicht alle Eltern dabei sind, sei normal, aber es sind viele. Und somit kommen wir gut voran. Alles ist bereit für den großen Tag – auch wenn danach der ein oder andere am Abend noch den Rücken gespürt hat …

Die Erstkommunion ist eigentlich wie in Deutschland: weiße Kleider, Kerzen, es wird gesungen und gepredigt. Und uneigentlich ist es auch ganz anders: Zum ersten Mal durfte ich eine Kommunion in Ecuador miterleben. Miterleben, dass Väter dafür geehrt werden, dass sie in der Vorbereitung präsent waren und viel geholfen haben, meine Nachbarn sich über das Mittagessen unterhalten und wie ein Hund unbeachtet während der Zeremonie in die Kirche hereinspaziert.

„Ein wunderbares Miteinander“IMG_2035

Die Katechetinnen und Katecheten moderieren den Gottesdienst. Es ist ein wunderbares Miteinander, bei dem Kerzen angezündet und ausgepustet werden, bei dem beim Friedensgruß alle quer durch die Kirche laufen um einem Bekannten – der komplett in der anderen Ecke sitzt – auch noch die Hand zu reichen, und bei dem das Vater-Unser als brausendes Lied durch die Luft fliegt.

Insgesamt 12 Kinder erhalten heute die Erstkommunion, drei von ihnen werden vorab getauft. Stolze Paten stehen dabei, Fotos werden gemacht. Besonders schön: Als ein Mädchen nach vorne tritt, um als Geschenk ihr Kreuz zu erhalten, kommt ihre Großmutter mit. Die Eltern sind getrennt und sie lebt bei ihrer Oma mütterlicherseits. Der Vater ist auch in der Kirche, einige Bänke entfernt. Der Kontakt ist nicht gut. Ordensschwester Ingrid bittet aber den Vater dazuzutreten und seiner Tochter das Kreuz  anzulegen. Keine Widerrede. Und das Strahlen des Mädchens – zwischen Oma und Papa – werde ich nie vergessen.

Text und Fotos: Nicole Rohrmann

Nicole Rohrmann arbeitet seit 2010 in der Abteilung Bildung beim Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat. Zurzeit macht sie einen Sprachkurs in Ecuadors Hauptstadt Quito und wohnt in einem Adveniat-Projekt in der Comuna Alta, einem der ärmsten und gefährlichsten Viertel der Stadt. Ordensschwestern leben mitten unter den Benachteiligten, machen Sozialarbeit, betreiben einen Kindergarten und vieles mehr.