Ecuador: Das Wundervolle an der Arbeit mit Kindern

„¿Porquénohablasespaňol?“, fragt die kleine Jennifer mich. „Porque soy alemana.” Diese Antwort stößt bei einer kaum Vierjährigen natürlich auf reges Unverständnis. Dennoch ist sie eine der wenigen Kinder des Centro Infantil Retoňitos in Quito/ Ecuador, die bemerkt haben, dass ich mich von den anderen Erwachsenen unterscheide und nicht immer alles gleich verstehe. Die anderen Kinder, deren Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren variiert, verstehen diesen Unterschied noch nicht und reden munter auf mich ein, ganz gleich ob ich ihnen antworten kann oder nicht. Aber das ist gerade auch das Wundervolle an der Arbeit mit Kindern: Seit dem ersten Tag haben sie mich in ihr Herz geschlossen und ich sie in meins. Sprache ist nebensächlich, wenn man doch lachen, kitzeln, kuscheln, raufen, malen und gestikulieren kann. Herausfordernder wird es da schon bei den Schulkindern der Hausaufgabenbetreuung am Nachmittag. Die haben jedoch schon gelernt laut und deutlich mit mir zu sprechen. Und auch diese Sechs- bis Zwölfjährigen begegnen mir mit einer Offenheit und einem Interesse, das mich sofort willkommen heißt.

Seit zwei Wochen bin ich nun in Quito, der Hauptstadt Ecuadors, in der ich für die nächsten drei Monate im Kindergarten und der Hausaufgabenbetreuung des von Adveniat unterstützten Centros mithelfen werde. Leiterin des Centro ist Hermana Ingrid, eine überaus engagierte und freundliche, chilenische Nonne des Ordens „Misioneras Jesus Crucificado“, bei der ich die Zeit über lebe. Der Gebäudekomplex des Centros befindet sich in der hochgelegenen Comuna Alta, einem ärmeren Viertel der Hauptstadt. Hochgelegen heißt in diesem Falle auf gut 3000 Meter, da Quito durch seine Lage im Andenhochland nach La Paz in Bolivien die höchstgelegenste Großstadt der Welt ist. Für mich als Neuankömmling bedeutet das, dass ich viel schneller als sonst aus der Puste bin, wenn ich den Kindern hinterher laufe.

Text und Fotos: Hannah Simon

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Hannah Simon studiert „Literatur, Kultur und Medien“ an der Universität Siegen.
Im vergangenen Jahr hat sie ein mehrwöchiges Praktikum bei Adveniat gemacht.
Im Adveniat-Blog berichtet sie von ihrem Aufenthalt in Quito.