Ecuador: Der Beautybus

Busfahren in Quito 2

Die bunten Busse sind überall in Quito zu finden.

„Es ist nicht die Schuld des Fahrers, wenn Sie zu spät aufstehen“ oder „Veronica, Dylan & German“ lauten die Schriftzüge innen über den Frontscheiben der Busse. Und manchmal verraten die großen, silbernen Lettern auch einfach nur das Herkunftsland des Uraltvehikels: Volkswagen. Hunderte der blauen, gelben oder bunten Busse sind auf den Straßen Quitos unterwegs – mit Rosenkranz am Rückspiegel oder aufgesprühtem Heiligenbildchen, mit purpurnen Samtgardinen oder Weihnachtsbeleuchtung hinter den Scheiben.

Und wer die Quiteños kennen und lieben lernen möchte, der sollte die Taxen stehen lassen und in den Bus springen – im wahrsten Sinne des Wortes, denn nicht immer halten die Fahrer an. Dafür sorgen sie aber für das erste Highlight der Stadtrundfahrt: die Musik. Einen guten Busfahrer erkennt man nämlich sofort an seinem noch besseren Musikgeschmack – der eine bietet Salsa, der andere liebt Pop und Kenner der ecuadorianischen Volksmusik sind auch unter ihnen. Zugegeben – morgens im proppevollen Bus eine Oper zu hören, entspannt mich nicht wirklich …

Busfahren in Quito 1

Turbulents Treiben im Straßenverkehr gehört für die Quiteños zum Alltag.

Die Quiteños hingegen steigen mit einer Grundgelassenheit ein, die einfach nur Spaß macht. Morgens ist der VW Schminksalon auf vier Rädern, denn es zählt jede Minute. Da wundert es keinen, wenn eine Frau, mit Rundbürste in den noch feuchten Pony gedreht, auf dem blauen Plastikschemel Platz nimmt, ihren Handspiegel auspackt, sich die Wimpern tuscht, die Lippen rötet und die Wangen pudert. Kurz vorm Aussteigen landet alles wieder in der Handtasche und es geht, von der ein oder anderen Bremsspur abgesehen, perfekt gestylt zur Arbeit.

Besonders praktisch sind auch die fliegenden Händler, die an der einen Bushaltestelle einsteigen, ihre Leckereien wie Eis, frittierte Bananen- oder Kartoffelscheiben und Obst anbieten, und an der nächsten Halstestelle wieder aussteigen. Lecker und günstig! Apropos – jede Fahrt, egal wie weit, kostet 25 Cents, die man dem Compañero des Fahrers beim Aussteigen in die Hand drückt. Aber nicht bummeln – „Siga, siga, sigaaaa! Weitergeheeeen!“ Denn Zeit ist Geld. Das wissen auch Quitos Taschendiebe, deshalb am besten nur mit einer Hand voll Kleingeld reisen.

Text und Fotos: Carolin Kronenburg,
Pressesprecherin Adveniat

Kommentar zu “Ecuador: Der Beautybus

  • 1. August 2012 at 04:14
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    es un reportaje muy fiel a la realidad que se vivie en Ecuador. felicitaciones por este artigo

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