Ecuador: Dschungelprüfung mit „Spuckebier“

Der Weg ins Paradies führt auf einem schaukelnden Boot den Río Napo flussabwärts. Sechs Stunden verbringen wir mit rund 50 anderen Passagieren, eingeklemmt zwischen Eierpaletten, Klopapierpaketen, Wasserkanistern und allerlei anderem Hausrat. So reist man hier im Nordosten von Ecuador, denn die wenigsten Orte sind an Straßen angebunden, der Río Napo ist sozusagen die A1 des Ecuadorianischen Tieflandes. Nur weniger Staus. Dafür umso mehr Sandbänke, auf die wir immer wieder auflaufen.

SONY DSC

Wir sind auf dem Weg in die Gemeinde Eden, dort leben die Naporuna, also die „Menschen vom Napo“, wie sich die Indígenas dort in ihrer eigenen Sprache, dem Kichwa nennen. Aber paradiesisch sind die Zustände dort schon lange nicht mehr, spätestens seit große nationale und internationale Firmen mit der Erdölförderung begannen. Ein Fünftel der nationalen Erdölproduktion wird dort heute aus der Erde geholt.

SONY DSC

Lange Fahrten auf schaukeligen Holzbooten sind Alltag

Unterwegs sind wir mit Friederike Peters, die im Dezember Aktionsgast bei Adveniat sein wird. Sie ist Gemeindereferentin in Rocafuerte – wobei Gemeinde ein ziemlich weiter Begriff ist, denn Rocafuerte hat eine Ausdehnung von rund 150 Kilometern: Hier ist sie zuständig für 29 indigene Gemeinschaften entlang des Rio Napo und seinen Seitenarmen. Lange Fahrten auf schaukelnden Holzbooten sind für sie Alltag. In ihren Gemeinden wollen wir die Folgen des fortschreitenden Erdölabbaus zu beobachten. Sie wird uns mitnehmen zu indigenen Gruppen, denen zwar das Land gehört, auf dem sie leben, nicht jedoch die Rohstoffe unter ihrem Land. Sie wird uns erzählen, zu welchen Konflikten das führt und wie sie gemeinsam mit Kollegen aus dem Vikariat die Menschen zu unterstützt.

20160215_124315Der Weg zu den Familien hat jedoch einige kulturelle Hürden: Hier ist es üblich, dass die Familie ihrem Gast Chicha zur Begrüßung reicht: Ein weißes, schaumiges Getränk, das schon die Inka gerne getrunken haben. In dieser Region wird es zubereitet aus gekochtem Yuccabrei, den die Familienmitglieder dann gewissenhaft durchkauen und die kleinen gekauten Klumpen wieder zurücklegen. Zwei Tage wird das Gebräu dann stehen gelassen, der Speichel sorgt für die Fermentation. Darum hieß es bei den Inkas „Spuckebier“. Friederike warnt uns: Das Getränk abzulehnen, wäre eine große Beleidigung für die ganze Familie. Während ich mich unauffällig mit Interviews aus der Affäre ziehe, nippt unser Fotograf Achim Pohl tapfer an der ihm angebotenen Aluschüssel: Ist auch gar nicht so schlimm, schmeckt wie Trinkjoghurt, sagt er. Na dann, Prost!