Ecuador: „Hermanita, es mi marido“

Schwester Ingrid (Mitte) im Gespraech mit zwei Frauen aus der Gemeinde.

Manchmal könnte Schwester Ingrid weinen, weil sie oft vorher schon weiß, wie die Geschichten ausgehen. Beispielsweise diese: Sturmklingeln – mitten in der Nacht. Ingrid schlurft zum Tor und schließt auf. Eine Frau aus dem Viertel steht da, grün und blau geschlagen vom betrunkenen Ehemann. Ein Kind auf dem Arm, eines an der Hand und die vier Großen daneben. „Natürlich könnt ihr hier schlafen“, antwortet Ingrid auf die fragenden Blicke. Mit einer Mitschwester wohnt die gebürtige Chilenin in einem großen Haus neben der Kirche. Die einzige katholische Kirche in der Comuna Alta, einem der ärmsten und gefährlichsten Viertel von Quito.

Quitos Stadtteil „Comuna Alta“ liegt 3100 Meter hoch.

Alle zur Polizei heißt es am nächsten Morgen. Eindeutiger Fall – ein Blinder mit Krückstock könnte sehen, was am Vorabend in der kleinen Wellblechhütte am Hang geschehen ist. Die Frau bekommt eine „Mahnung“ für den gewalttätigen Gatten mit nach Hause. Der hat seinen Rausch ausgeschlafen und ist lammfromm. Allzu schnell landet der Wisch von der Polizei im Müll. „Hermanita, es mi marido“ –“Schwesterchen, es ist doch mein Ehemann“, sagt die Frau mit hochgezogenen Schultern. Manchmal könnte Schwester Ingrid weinen.

Text und Fotos: Carolin Kronenburg, Pressesprecherin Adveniat