Ein echter Esquivel fürs Büro

„Adolfo Perez Esquivel 1980 – 2005″ steht auf der Fahne am Haus mit der Nummer 730 in der Calle Piedras. Das Banner erinnert an das Jahr 1980, in dem Esquivel überraschend den Friedensnobelpreis gewann. Nach dem 25-jährigen Jubiläum hat man sie einfach hängen lassen. Esquivel war vom norwegischen Auswahlkomitee für seinen Kampf gegen die Militärdiktatur ausgezeichnet worden. Dieses Jahr wird der Nobelpreisträger 80 Jahre alt. Freudig aufgeregt gehe ich die drei Stufen zur Haustür hoch und drücke auf den verrosteten Klingelknopf: „Soy Carolina Kronenburg de Adveniat“, brülle ich aus Leibeskräften in die Sprechanlage, in der Hoffnung, den Straßenlärm zu übertönen. Kurze Zeit später begrüßt mich der 79-Jährige herzlich, wie es in Argentinien üblich ist, mit einem Kuss auf die Wange. Wir nehmen am runden Besuchertisch in der zweiten Etage des alten Hauses Platz. Gesprächsthemen sind die aktuelle politische Situation in Argentinien und in den Nachbarländern, die soziale Ungerechtigkeit im Land, die Rolle der Kirche auf dem Weg zu mehr Gerechtigkeit und die Definition von Frieden. Weltbewegende Wünsche für sein 80. Lebensjahr hat der ehemalige Professor für Architektur, Malerei und Bildhauerei nicht. „So weiterleben wie bisher und weiter Kunst betreiben können“, sagt er bescheiden. Das wünscht er auch Adveniat zum 50. Geburtstag: Das Hilfswerk für die Menschen in Lateinamerika möge weiter aus dem Glauben heraus in die Welt wirken! Am Ende des Interviews holt Esquivel ein Blatt Papier und einen Stift hervor und zeichnet mit weichen und geschwungenen Linien das Konterfei einer Frau. „Für Dich: Eine kleine Erinnerung an unser Gespräch“, sagt er und lacht. Künftig habe ich also einen echten Esquivel im Büro hängen!

Carolin Kronenburg