Ein kleines Gewitter für die Seele

Liturgischer Tanz - Adveniat Blog

Der liturgische Tanz bereicherte die Feier zum Gedenktag „Unserer Lieben Frau in Guadalupe“

Feier zum Gedenktag „Unserer Lieben Frau in Guadelupe“

Das Spannende daran, wenn man sich in einer Gruppe zusammenfindet ist doch immer wie sich etwas atmosphärisch entwickelt. Den Rahmen, den kann man planen, den Ort, die Teilnehmer, das Programm. Aber was in den Köpfen passiert, in den Herzen ankommt und was davon wiederum auch für andere spürbar wird, das ist immer wieder aufs Neue ein Schuss ins Blaue. Und dabei ist es ganz egal, ob wir auf einer Geburtstagsfeier, einem gemütlichen Treffen bei Freunden oder bei einer Messe beisammen sind.

Ich war auch heute wieder gespannt, wie sich die Atmosphäre entwickelt. Denn morgens haben wir in der Adveniat-Kapelle traditionell den Tag der Heiligen Guadalupe gefeiert, der Schutzpatronin Lateinamerikas. Das ist immer schön und gemütlich, besinnlich, musikalisch und stiftet immer wieder neu eine besondere Form der Identität unter uns Mitarbeitern – so zumindest meine Empfindung. Denn in diesen Momenten ist Lateinamerika ganz besonders präsent bei uns und es besteht gefühlt eine starke Verbindung zu den Menschen dort, von denen wir wissen, dass viele von ihnen ebenfalls gerade diesen Tag gemeinsam feiern.

Nach schönen Gesängen, einer bedenkenswerten Predigt und Gebeten, brachten die Kollegen der Fürbitten-Fraktion jedoch plötzlich noch eine Dimension ins Spiel, mit der ich – und scheinbar auch alle anderen nicht gerechnet hatten. Auf einem Tablett hatten sie 43 Teelichter vorbereitet und trugen sie gemeinsam mit einer Kollage der Bilder von den 43 ermordeten mexikanischen Studenten zum Tabernakel.

Bewegende Fürbitte

„Uns fehlen die Worte, wenn jungen Menschen ihr Leben gewaltsam geraubt wird. Wir bitten Dich für die 43 Studentinnen und Studenten aus Iguala, die verschwunden sind und deren Körper man vermutlich wie Müll entsorgte“, schlug eine der Fürbitten wie ein kleines Gewitter in die schöne idyllische Guadalupefeier. Aber als eines, dem alle bereit waren sich zu stellen und das wie viele kleine prasselnde Tropfen auf die Seele traf. Und dann gab es diesen Moment, den man nicht voraussehen geschweige denn planen kann und der gerade deswegen so wertvoll ist.

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Während die Namen dieser jungen mutigen Studenten vorgelesen wurden, standen die Kollegen plötzlich nach und nach auf. Erst einer, dann zwei und irgendwann entfaltete diese kleine körperliche Bewegung des Respekts und der Anteilnahme einen solchen Sog, dass nach wenigen Sekunden die komplette Belegschaft stand. Und in den Gesichtern konnte man ablesen, dass diese äußere Haltung auf eine sehr intensive innere Teilnahme und Rührung folgte. „Wir bitten Dich für diejenigen, die einen der jungen Menschen aus Iguala vermissen. Sie erleben manchmal Hoffnung dann wieder Verzweiflung. Stehe ihnen in dieser grausamen Zeit bei.“ Ich bin dankbar für diesen besonderen Moment und habe die Hoffnung, dass vielleicht ein winziger Funke unserer Anteilnahme die Hinterbliebenen der mexikanischen Studenten erreicht hat.

Und was hat das nun alles mit dem Tag der Guadalupe zu tun?

„Maria hat sich geöffnet für die Ansprache Gottes“, sagte Prälat Klaschka in seiner Predigt. Sie habe auf Gott vertraut, entgegen vieler Skeptiker und auch in schweren und einsamen Zeiten ihren Glauben nicht verloren und Kraft daraus geschöpft. „Auch die Eltern der 43 Studenten wären völlig allein, hätten sie ihren Glauben nicht“, schlug der Prälat die Brücke. „Sie finden Kraft, in dem, der sie da hält, Kraft gegen diese Gnadenlosigkeit zu protestieren.“

Wie die Menschen in Mexiko den Gedenktag „Unserer Lieben Frau in Guadalupe“ begehen, erzählt euch im Video Prälat Bernd Klaschka, der selber viele Jahre in Mexiko gelebt hat: