Ein schweres Erbe

Sonntag ist Tag der Vergangenheitsbewältigung. Alfonso Perez Esquivel kommt vorbei. 1980 hat der argentinische Künstler und Menschenrechtler den Friedensnobelpreis für seinen Widerstand gegen die Militärdiktatur bekommen. Das Regime wollte ihn beseitigen, er saß schon im Flugzeug, das ihn, wie so viele andere, über dem Meer abwerfen wollten. Der Flieger ist dann wieder umgekehrt. Aufgrund internationalen Drucks, davon ist er überzeugt.

Am Samstag wird er 80 Jahre alt, aber das sieht man ihm wahrlich nicht an. Ein kleiner agiler Mann, freundlich, offen und keine Spur von Verbitterung. Zufrieden ist er mit seinem Land noch lange nicht, immer noch kämpft er für Menschenrechte, gegen die Unterdrückung der indigenen Bevölkerung und für soziale Belange. „Der Widerstand ist die Essenz meines Lebens“, sagt er.

Auch der Kampf von Taty Almeida ist noch nicht vorbei. Sie ist eine der Madres de Plaza de Mayor, also eine jener Mütter, deren Kinder in der Militärdiktatur verschwunden sind. Beseitigt von den Militärs, weil sie dem Regime nicht konform genug waren. Alejandro heißt Tatys Sohn, er ist 1975 verschwunden. Jeden Donnerstag versammeln sich die Madres mitten in Buenos Aires und so wie sie früher ihre Kinder zurückforderten, so fordern sie heute die Aufklärung der Morde. Gerechtigkeit will sie, sagt Taty Almeida, keine Rache.

Katja Auer
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Adveniat ist mit sieben Journalisten in Argentinien, Paraguay und Brasilien unterwegs. Im Adveniat-Blog berichten sie. Höhepunkt der Reise ist die Eröffnung der Adveniat-Aktion am 27. November, die dieses Jahr erstmalig in Lateinamerika stattfindet.