Einblicke ins katholische Medienzentrum in Brasilien

Schild des katholischen Medienzentrums Canção Nova in Brasilien. Foto: Thomas Milz

Canção Nova – ein katholisches Medienzentrum mit impostanten Strukturen. Foto: Thomas Milz

Hunderte Lampen blinken in allen Farben auf, die Klimaanlage brummt und kühlt den Raum auf frostige Temperaturen. Acht zimmerhohe Schaltschränke voll neuester Technologie bilden das Herzstück von „Canção Nova“, Brasiliens größtem katholischen Medienzentrum in der Kleinstadt Cachoeira Paulista. Von hier aus, nur wenige Kilometer vom Wallfahrtsort Aparecida und auf halber Strecke zwischen den Metropolen Rio de Janeiro und São Paulo gelegen, wird die frohe Botschaft in die entlegensten Winkel Brasiliens gesendet.

„Canção Nova“ (übersetzt: Neues Lied) ist eine feste Größe im Leben Brasiliens. Seine TV- und Radioprogramme, die auch digital via Internet zu empfangen sind, richten sich an die Gläubigen in Südamerikas größtem Land. Und nicht nur das. Stolz berichtet der Gründer Padre Jonas Abib, dass man mittlerweile auch in anderen Ländern Lateinamerikas, in Europa und Asien Zuhörer und Zuschauer gewonnen habe.

Ende der 1970er Jahre realisierte Abib seinen Traum und startete „Canção Nova“. Sein damaliger Bischof hätte ihn aufgefordert, „etwas zu tun, um die Jugendlichen anzusprechen“. Letztes Wochenende seien über 100.000 Jugendliche zu einem Festival aus gemeinsamer Messe, Besinnung und christlicher Musik hier gewesen. Live wurde das Event aus der riesigen Veranstaltungshalle von „Canção Nova“ in alle Welt übertragen. „Eine schöne Arbeit“, resümiert der 78-Jährige.

Zu Gast beim Gründer von Canção Nova, Padre Jonas Abib (links): der deutsche Medienbischof Gebhard Fürst (Mitte) und Adveniat-Hauptgeschäftsführer Prälat Bernd Klaschka. Foto: Thomas Milz

Zu Gast beim Gründer von Canção Nova, Padre Jonas Abib (links): der deutsche Medienbischof Gebhard Fürst (Mitte) und Adveniat-Hauptgeschäftsführer Prälat Bernd Klaschka. Foto: Thomas Milz

Medium mit imposanter Infrastruktur

Medienbischof Dr. Gebhard Fürst, Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, zeigt sich beeindruckt von dieser Durchschlagskraft der frohen Botschaft. Zwar seien derartige Strukturen nicht Eins zu Eins auf die deutsche Realität des Kirchenlebens übertragbar. „Ich bewundere vielmehr das lebendige Engagement, das dahinter steht. Ich hätte gerne ein Rezept, wie wir bei uns in der Kirche Menschen so motivieren können, damit sie mit so einem Engagement und Sachkompetenz, mit Geduld und Kontinuität so etwas betreiben.“ Im Rahmen einer Dialogreise zum Thema „Anwendung von Medien in der Kirchenarbeit“ durch Brasilien besucht der Medienbischof auch Cachoeira Paulista. Und staunt über die imposanten Strukturen von „Canção Nova“.

Rund 2.400 Menschen, darunter unzählige Ehrenamtliche, sind in die Programmarbeit von „Canção Nova“ eingebunden. Über 200 Medienprofis arbeiten in den Studios und Übertragungseinheiten, die Messen sowohl aus der eigenen, 5.000 Menschen Platz bietenden Kirche sowie aus den Gotteshäusern anderer Gemeinden übertragen. Der hauseigene Verlag produziert Musik-CDs, DVDs und Bücher mit christlichen Botschaften. Die monatlichen Betriebskosten des Medienzentrums von 30 Millionen Reais, rund 8 Millionen Euro, werden von einem Freundeskreis aus 700.000 Gläubigen getragen, der durch seine Spenden die Arbeit ermöglicht.

Kirche in Brasilien: Keine Berührungsängste mit neuen Kommunikationswegen

„Hier in Brasilien haben die Menschen, die sich in der Medienarbeit engagieren, das kirchliche Bewusstsein, einen klaren Auftrag zu haben: das Evangelium zu verkünden. Und so wirken sie in die Gesellschaft hinein mit ihrem Engagement der Glaubensverkündung in Wort und Tat“, resümiert Adveniat-Hauptgeschäftsführer Bern Klaschka, der Bischof Fürst auf der einwöchigen Reise begleitete. „Diese Klarheit im Auftrag hat mich schon beeindruckt.“

In Brasilien stünden die Menschen neuen Technologien offener gegenüber, glaubt Prälat Klaschka. „So wie man früher die Kirchenlieder und die Predigt zur Evangelisierung einsetzte, so setzt man heute die Kommunikationsmedien ein. Man darf davor keine Angst haben, hat man uns auf der Reise mitgeteilt. Das hat mich schon beeindruckt, denn ich habe oft den Eindruck, dass wir in Deutschland davor etwas Angst haben und sehr zurückhaltend sind. Solchen Initiativen wie hier wird mehr Raum eingeräumt als in Deutschland“, glaubt Prälat Klaschka.

Voneinander lernen: Zurzeit informiert sich der deutsche Medienbischof Dr. Gebhard Fürst im Rahmen einer Dialogreise über die Medienarbeit der katholischen Kirche in Brasilien und Projekte von Adveniat. Begleitet wird der Bischof von Rottenburg-Stuttgart von Adveniat-Hauptgeschäftsführer Prälat Bernd Klaschka, Brasilien-Referent Norbert Bolte, Dr. Ute Stenert, Referentin für Rundfunk und Medienethik bei der DBK, und Dr. Claudia Nothelle, RBB-Programmdirektorin und Beraterin der Publizistischen Kommission der DBK.