Eine Chance für Mexiko?

Stadtgrenze Ciudad Juarez und San Diego: Hier Mexiko, dort die USA.

Während meiner Projektreise für Adveniat durch Mexiko, übernahm Donald Trump die Präsidentschaft in den USA. Was bedeutet das für Mexiko?

80 Prozent des Handels werden mit den USA abgewickelt, was zeigt, wie abhängig die mexikanische Wirtschaft vom großen Nachbarn ist. Viele der Mexikaner arbeiten legal wie illegal in den USA. Statistiken belegen, dass die Ausreise von Mexikanern in den vergangenen Jahren stark rückläufig ist und inzwischen die Zahl der Rückkehrer in ihre Heimat weit über den Ausreisenden liegt. Auch die Abschiebung von illegal in den USA lebenden Mexikanern ist eine Tatsache. Dennoch spielen für das Land die Überweisungen der Mexikaner aus den USA eine wichtige Rolle.

Der Erzbischof von Yucatán und frühere Bischof von Nuevo Laredo an der Grenze zu den USA, Mons. Gustavo Rodriguez, antwortete mir auf meine Frage nach der Zukunft des Landes: „Ich sehe in der Präsidentschaft von Trump auch eine Chance: Mexiko hat jetzt die Gelegenheit, sich aus der Umklammerung der USA zu befreien. Die Politik muss neue Märkte erschließen, wie der MERCOSUR, Asien oder Europa und endlich versuchen, auf eigenen Beinen zu stehen.“

Inwieweit die Politik in der Lage ist, dies zu tun, bleibt abzuwarten.

Was tun, Herr Präsident?

Donald Trump unterzeichnet das Dekret zur Fortsetzung des Mauerbaus, um dem amerikanischen Traum vieler Mexikaner und anderer Migranten ein Ende zu setzen. Sofort entbrannte in den sozialen Medien eine lebhafte Diskussion, ob der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto am 31. Januar zum Antrittsbesuch in die USA fahren sollte oder nicht. Die Mehrheit plädierte dafür, dass er zuhause bleiben sollte, weil der Bau der Mauer, – eigentlich ein symbolischer Akt, denn sie existiert ja in weiten Teilen bereits -, als unfreundlichen Akt angesehen wird. Andere wollen mit diplomatischen Maßnahmen auf diese Handlungen reagieren, z.B. in dem man den Botschafter der USA einbestellt und den eigenen Botschafter abberufen und öffentlich protestieren sollte. Andere meinten, dass es wichtig sei, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen.

Schließlich sagte Peña Nieto den Besuch in den USA kurzfristig ab.

Die Beziehungen zwischen Mexiko und den USA sind auf einem neuen Tiefpunkt angelangt.
Dabei ist die Ankündigung eines erneuten Anstiegs der Benzinpreise im kommenden Monat eine weitere schlechte Nachricht, die in Mexiko die Runde macht.


Reiner Wilhelm

 

Reiner Wilhelm ist Mexiko-Referent beim Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat.
Zurzeit befindet er sich auf Projektreise in Mexiko und berichtet von vor Ort.

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