Einen Monat Lateinamerika – mitten in der Essener Innenstadt

Herzlicher Empfang: Praktikantin Jana (Mitte) mit  María Acosta (links) und María Luna Barbero aus dem Länderreferat für Kolumbien und Paraguay.

Herzlicher Empfang: Praktikantin Jana (Mitte) mit María Acosta (links) und María Luna Barbero aus dem Länderreferat für Kolumbien und Paraguay.

„Hola, buenos días!“ tönt es über den Flur. Ein Stück weiter höre ich ein angeregtes Gespräch auf Spanisch. Moment, oder ist es doch Portugiesisch? Das Referat Brasilien ist ja immerhin auch auf unserem Flur, hier im 11. Stock in der Gildehofstraße in Essen. Mein Arbeitsplatz: ein Schreibtisch im Referat Medien bei Adveniat. Es fühlt sich jedoch anders an – eher als ob ich mich irgendwo in Lateinamerika befände, um mich herum Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern.

Als ich mein Praktikum Ende Juni bei Adveniat begonnen habe, wusste ich, dass ich es mit Lateinamerika zu tun haben würde. Wie nah dieser Kontinent hier ist, war mir vorher jedoch nicht klar. Die Mentalität, die Sprache, die Menschen – Adveniat nimmt seinen Slogan „Für die Menschen in Lateinamerika“ mehr als wörtlich. Aus elf verschiedenen Nationen kommen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diejenigen, deren Weg sie nicht aus Südamerika oder Spanien nach Essen geführt hat, haben auch fast alle länger im Süden Amerikas gelebt.

Das Eis ist schnell gebrochen

Das Ergebnis von diesem Kulturmix hat mich bereits am ersten Tag gepackt: Unterhaltungen, die von Deutsch zu Spanisch wechseln, eine Betriebsfeier auf der das Essen selbstverständlich auch südeuropäisch und südamerikanisch sind und nicht zu vergessen die „Großfamilie“, in die man sich hineinbegibt. So erkennt mich hier fast jeder sofort als Praktikantin – alle anderen Gesichter sind schließlich vertraut. Einen Unterschied macht deshalb trotzdem keiner: mit der immer-präsenten südamerikanischen Leichtigkeit kommt man schnell ins Gespräch. Spontan einmal nachgefragt, was ich denn überhaupt genau hier mache, ob ich schon einmal in Lateinamerika war – das Eis ist schnell gebrochen. In meinem Fall finden diese Gespräche aber auf Deutsch statt – mein Spanisch reicht für eine Unterhaltung leider nicht aus (ein neuer Punkt auf meiner To-Do-Liste!).

Ob es das Handwerk einer Journalistin oder spanische Ausrufe sind, während meines Praktikums lerne ich so jeden Tag etwas Neues. Schätzen gelernt habe ich aber schon jetzt eines am meisten – die südamerikanische Offenheit und Spontanität. Das beste Beispiel: kürzlich waren Priester-Stipendiaten aus Lateinamerika in der Essener Geschäftsstelle zu Gast – natürlich nur spanischsprachig. Eigentlich hätten meine Sprachkenntnisse nicht gereicht, hier haben sie mir es aber leicht gemacht. Mit einer Mischung aus Spanisch, Englisch, Deutsch und Händen und Füßen hat es funktioniert. Nach der Hälfte des Satzes wurde die Sprache gewechselt, Grammatik war auch nicht wichtig. Für ein Fazit ist es sicherlich noch zu früh. Eines weiß ich aber schon jetzt: am Ende meiner vier Wochen hier rutscht mir zwischendurch bestimmt mal ein ¡Venga! mitten im Satz raus. Und nach Lateinamerika möchte ich demnächst auch einmal – wenn ich es nach einem Monat Adveniat nicht schon war.

Text: Jana Echterhoff, Fotos: Carolin Kronenburg

_DSC8402Jana Echterhoff studiert European Studies in Maastricht. In den Semesterferien macht die 20-Jährige ein vierwöchiges Praktikum im Medienreferat des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat. Denn: Sie möchte später im Bereich Journalismus oder Entwicklungshilfe arbeiten.