El Salvador: 1+1=1 Der zweieine Kreuzweg

Der Kreuzweg Jesu und der Kreuzweg der Menschen von Arcatao

„Es geht um eine Option für die Armen, um die Inkarnation in ihre Welt, um die Verkündigung der Frohbotschaft und darum, den Armen Hoffnung zu geben, sie zur Freiheit zu ermutigen, ihre Rechte zu verfolgen und ihre Leben zu teilen.“ (Oscar Romero)

Es bricht der letzte Tag in Arcatao für uns an. Am Morgen verabschieden wir uns von unseren Gastfamilien und besuchen dann gemeinsam um 8 Uhr die Messe. Danach zeigt Nicolas uns den Kreuzweg, den die Menschen aus Arcatao gestaltet haben.

Dieser Kreuzweg ist  besonders und einzigartig – er hat uns alle tief bewegt.  Daher möchte ich die Chance dieser Plattform nutzen, und ihn mit anderen Menschen teilen, denn er verbindet das Martyrium Jesu Christi mit der Geschichte des salvadorianisches Volkes.
Jede Station des Kreuzweges stellt eine Szene der Passion Christi und eine selbstgestaltete Szene der jungen Künstler dar. Eine herzliche Einladung also zu einer außergewöhnlichen Meditation!

1. Station

Masacre del Rio Sumpul – Massaker am Fluss Sumpul

Das Militär tötet mehr als 6.000 Zivilisten und Guerrilleros, darunter etliche Kinder und Kleinkinder. Viele Flüchtende ertrinken im Fluss, oder werden in den Fluten erschossen. Kinder werden von den Militärs in die Luft geworfen und von ihren Bajonetten aufgespießt.

Tag12_1. Station

2. Station

Refugio de la Cañada – Zuflucht la Cañada

Erste befestigte  Verteidigungsstation der Guerrileros: erste Tatús (Bunker, die in den Erdboden eingegraben  und auch als Radio- und Funkstationen genutzt werden), erste provisorische und illegale Krankenhäuser in den Bergen. Von nun an setzt das Militär auch Bomben und Minen gegen die Zivilbevölkerung ein.

Tag12_2.Station

3. Station

Am  6. April 1986 findet das  Desembarco de Arcatao (die Landung in Arcatao) statt.

Mehrere Flugzeuge, Hubschrauber, Bomber und Bodentruppen des Militärs landen in Arcatao. Der Zweck dieses Einsatzes ist die Vertreibung der Bevölkerung, die sich mittlerweile dort angesiedelt hat, da Bischof Rivera y Damas nach einem Besuch der Gegend verspricht, dort einen Priester einzusetzen.

Die an diesem Tag anwesende Bevölkerung wird in der Kirche zusammengetrieben, Frauen an die Seite des Altars, die Kinder an das Hauptportal, während die Männer die Kirche im Laufschritt umrunden müssen. An jeder Ecke der Kirche steht ein Militärposten, der Männer willkürlich abfängt und sie in nahestehende Häuser bringt, um dort durch Folter Geständnisse zu erzwingen. Seitens der Militärs wird versucht, die Kinder mit Süßigkeiten zu bestechen, um von Ihnen zu erfahren welcher der Männer des Dorfes der Guerilla angehört. Keines der Kinder verrät jemanden. Der Präsenz internationaler Journalisten ist es zu verdanken, dass keine Entführungen und/oder Ermordungen stattfinden, obwohl diese definitiv geplant sind. Jegliches Film-und Fotomaterial wird vernichtet, in ihren jeweiligen Botschaften berichten die Journalisten jedoch später.

Tag12_3. Station

4. Station

Die Geschichte von Erzbischof Romero in Aracato

Als Romero zu Besuch nach Arcatao kommt,  versammelt sich eine riesige Menschenmenge, darunter auch viele Militärs, die auf LKWs in der wartenden Masse verteilt sind.  Im Zuge seiner Reise nach Arcatao wird Romero am Rio Sumpul festgehalten und gewaltsam bedrängt.  Bei seiner Ankunft wird wahllos in die Menge geschlagen und getreten, da  Romero und dessen Anhänger als kommunistisch und somit als staatsfeindlich angesehen werden. Während der Messe entfernen sich immer mehr Menschen , aus Angst vor den Konsequenzen der Anwesenheit bei einer der berühmt-berüchtigten und natürlich stark militärkritischen Predigten des Erzbischofs.

Tag12_4. Station

5.Station

Die Geschichte von Bischof Rivera y Damas

Bischof Riveras y Damas wirkt ab 1984 als Vermittler zwischen Militärs und Guerilla. Als die Tochter des Staatspräsidenten entführt wird, kommt Rivera y Damas  nach Charlatenango um dort Verhandlungen mit den Guerilleros zu führen. Als Reaktion auf seinen Besuch entsteht die Frage, warum er sich mehr um das Schicksal von einer einzigen Person sorge, als um das Leiden des Volkes, wo viele Eltern um verschwundene Kinder weinen. Daraufhin wird der Bischof wird nach Arcatao eingeladen und kommt tatsächlich. Beeindruckt von der Situation vor Ort verspricht er, einen Priester zu entsenden. Auf dieses Versprechen hin siedeln sich erste Familien in Arcatao an und das Interesse der internationalen Presse wird geweckt. Aus diesem Grund sind bei dem Desembarco de Arcatao internationale Journalisten anwesend. Schließlich wird Padre Miguel nach Arcatao geschickt, der während des Bürgerkrieges und bis heute an der Seite der Menschen dieser Gegend steht.

Tag12_5. Station

6.Station

Internationale Solidarität

Während des Bürgerkrieges und auch heute kommen immer wieder internationale „Delegationen“ oder einzelne Personen nach Arcatao, um zu helfen. Darunter zum Beispiel Ärzte oder sogar auch Guerillakämpfer. Viele davon berichten in den USA von den Zuständen in El Salvador und tragen somit erheblich dazu bei, dass die massive langjährige Unterstützung des Militärs seitens der US-Regierung durch Waffen und Elite-Ausbildungslager eingestellt wurde.

Tag12_6. Station

7. Station

Erinnerung an das Massaker an den Jesuiten und ihren zwei Begleiterinnen in der UCA am 6. November 1987

Tag12_7. Station

8. Station

Erinnerung an Padre Nicolas

Es handelt sich hierbei um einen Priester, der die Menschen in Aracatao während und nach dem Bürgerkrieg begleitet hat. Ein besonderes Ereignis ist eine Konfrontation mit Militärs, bei der Tränengasbomben auf Zivilisten und Guerilleros geworfen werden. Padre Nicolas steht zwischen den Menschen seiner Gemeinde, nimmt eine Tränengasbombe und wirft diese zurück zu den Militärs mit den Worten: Hier, damit ihr mal probiert!

Tag12_8. Station

9. Station

Guinda de Mayo

Im Jahr 1984 dringen vierzehtausend Soldaten, darunter in den USA trainierte Eliteeinheiten, in die Gegend um Arcatao ein. Ziel ist eine gewaltige Offensive zur „Befriedung“ also Verwüstung des von Guerilleros besetzten Gebietes.  In Zuge dieser 18 Tage andauernden Offensive finden insgesamt 6 große Massaker  in Form einer Hetzjagd statt. Als das erste Feuer eröffnet wird fliehen circa 3000 Männer, Frauen und Kinder völlig überrascht und kopflos. Guinda bedeutet in diesem Zusammenhang „Einfach nur laufen, laufen, laufen, ohne zu wissen wohin du rennst“ erklärten uns Zeitzeugen. Bei der Überquerung von Flüssen ertrinken Zahllose. Massaker werden immer dann verübt, wenn die Flüchtenden eingeholt oder neue Ortschaften erreicht werden. Ergebnis sind Tausende Tote, 52 verschleppte Kinder und ein finales Aufeinandertreffen, welches in einem Kreuzfeuer endete, dass etlichen, darunter besonders den Kindern, die  von ihren Müttern  auf dem Rücken getragen wurden, das Leben kostet.

Tag12_9. Station

10. Station

Gedenken an die Nordamerikanischen Ordensschwestern und der Missionarin auf Zeit, die wegen ihres Engagement in El Salvador am 02.12.1980 entführt und am 04.12.1980 vergewaltigt und ermordet gefunden werden.

Tag12_10. Station

11. Station

Gedenken an Jesus Rojas

Jesus Rojas ist ein Student der Jesuiten, der angesichts der Ungerechtigkeiten in seinem Heimatland seine Ausbildung abbricht, um sich dem Widerstand anzuschließen. Schließlich wird er Guerillaführer, für den die „bienes sociales“ von besonderer Wichtigkeit sind. Am 10. April 1992 gibt Rojas eine Pressekonferenz zu den Fortschritte der Friedensverhandlungen in Arcatao. Am darauffolgenden Tag marschiert das Militär ein und tötet Jesus Rojas und 14 Mitkämpfer, die in 2 Gemeinschaftsgräbern in Arcatao begraben sind.

Tag12_11. Station
12. Station

Gedenken an die Zerstörung der Umwelt

Tag12_12. Station

13 Station

Die Friedensverträge

Im Januar 1992 werden als Ergebnis jahrelanger und mühseliger Verhandlungen Friedensverträge geschlossen. Als Kompromiss werden die Elitestreitkräfte aufgelöst und die  FMLN, die bisher die Guerillakämpfer gestellt hatte, legte die Waffen verpflichtend nieder und verwandelte sich in eine politische Partei. Institutionen für Menschenrechte werden gegründet und Verfassungsänderungen vorgenommen.
„ Und so konnten wir in einer Welt ohne Bomben und ohne Gewehrkugeln leben“

Tag12_13. Station

14. Station

Die letzte Station ist denjenigen gewidmet, die den Kreuzweg gestaltet haben.

Tag12_14. Station

Von Lena-Elisabeth Robben

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Es bloggen die Teilnehmer einer Exposure-Reise nach El Salvador: Das sind ein Student, zehn Studentinnen des katholischen Instituts der Universität Osnabrück, Martin Kempen vom Bistum Osnabrück und Prof. Dr. Margit Eckholt. Das Thema der Reise lautet “Auf den Spuren von Oscar Romero und Ignacio Ellacuria. Christlicher Glaube, Kirche, Theologie und Politik in Lateinamerika”.