El Salvador: Auf den Spuren von Oscar Romero

„Da, wo Christus im Fleisch und Blut leidet; da, wo Christus auf dem Feld übernachten muss, weil die Menschen nicht zuhause schlafen können; da wo Christus an Krankheiten leidet aufgrund von Unrecht und Leid: da trägt Christus sein Kreuz auf dem Rücken – nicht nur dort, wo man in der Kapelle den Kreuzweg betet, sondern dort, mitten im Volk lebt er.“ (O. Romero)

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Vitirine im ehemaligen Wohnhaus Romeros. Ausgestellt werden hier persönliche Gegenstände , wie die Meßgewändern, die der Erzbischof bei seiner Ermordung am 24. April 1980 trug.

Der heutige Tag markierte einen vorläufigen Höhepunkt unserer Reise. Es ist der offizielle Gedenktag zu Ehren Romeros. Am frühen Morgen empfing uns José Lazo am Hospitalito, der Ort an welchem Oscar Romero lebte und starb. José führte uns durch das private Haus von Romero in dem alle seine privaten Alltagsgegenstände aufbewahrt werden. Ein eindrucksvoller Moment offenbarte sich als uns die Kleidungsstücke und das Messgewand des Todeszeitpunkts von Romero gezeigt wurden. Das eingetrocknete Blut und das Einschussloch direkt zu sehen ließen seinen Tod unfassbar real und konkret präsent werden. Wir hatten zwar im Rahmen des Seminars und auch privat sein Martyrium verfolgt, dieses theoretische Wissen manifestiert sich aber in dem Anblick seiner Gewänder in einer unerwarteten Dichte. Dieses Gefühl wurde im anschließenden Besuch der Kapelle, in der er erschossen wurde, weiter vertieft.

Grabstätte Oscar Romeros

Grabstätte Oscar Romeros

Nachdem wir eine Meditation von Romero gelesen hatten, fuhren wir mit unserem Begleiter in den Park Cuscatlán. Hier schauten wir uns eine Gedenkmauer zu Ehren der Ermordeten des Bürgerkriegs an. Auch hier war natürlich sein Name unter 35000 Anderen zu lesen. Der Besuch seines Grabes in der Kathedrale von San Salvador machte den eindrucksvollen Vormittag komplett.

Nach dem Mittagessen besuchten wir die Gemeinde des ermordeten Pastor Octavio Ortiz, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, allen Märtyrern El Salvadors zu gedenken. Natürlich hatten sie aufgrund des Ehrentages von Romero ihren Gemeinderaum besonders geschmückt. Hier konnte man den Lebensweg des ermordeten Erzbischofs ganz visuell nachvollziehen.

Gegen Abend machten wir uns mit ca. 6000 anderen Menschen auf den Weg und pilgerten vom Salvador del Mundo zur Kathedrale. Diese Lichterprozession bei Einbruch der Dunkelheit und die anschließende Eucharistiefeier vor der Kathedrale rundeten unseren Tag auf den Spuren Romeros ab. Die Stimmung des Abends ist kaum in Worte zu fassen. Die Masse feierte Romero als Heiligen des Landes mit den Worten „que viva“.

Richard Ottinger und Anne Kreymborg

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Es bloggen die Teilnehmer einer Exposure-Reise nach El Salvador: Das sind ein Student, zehn Studentinnen des katholischen Instituts der Universität Osnabrück, Martin Kempen vom Bistum Osnabrück und Prof. Dr. Margit Eckholt. Das Thema der Reise lautet “Auf den Spuren von Oscar Romero und Ignacio Ellacuria. Christlicher Glaube, Kirche, Theologie und Politik in Lateinamerika”.

Kommentar zu “El Salvador: Auf den Spuren von Oscar Romero

  • 29. März 2014 at 13:48
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    Da wäre ich gern dabei gewesen.
    Schon beim Lesen des Berichts sind mir Tränen über die Wangen gekugelt.
    A.F.

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