El Salvador: Besuch im „Projecto museo“

„Ich bin ein Hirte, der zusammen mit seinem Volk begonnen hat, die ebenso wunderbare wie schwierige Wahrheit zu lernen, dass unser christlicher Glaube uns nicht von der Welt trennt, sondern uns im Gegenteil eng mit ihr verbindet.“ Oscar Romero

Am ersten Vormittag in Arcatao besuchten wir das kleine „Projecto museo“, das von dem „Comite memoria y cultura“ gegründet wurde und instandgehalten wird. Diese wurde 2004 gegründet und besteht aus einigen Zeitzeugen, die den Bürgerkrieg miterlebt haben. In dem Museum werden neben Fotografien auch Gegenstände und Anschauungsmaterial aus der Zeit ausgestellt, wie zum Beispiel Kleidungsstücke, Munition und medizinisches Werkzeug.

Das Komitee möchte mit Orten wie diesem die Erinnerung wachhalten und die Traumata nach dem Konflikt aufarbeiten, um das Bewusstsein zu schulen und den Opfern gerecht zu werden.

Im Zentrum der Ausstellung steht das Massaker am Rio Sumpul vom 14. Mai 1980 bei dem 600 Menschen auf grausame Weise ermordet wurden. Auf bewegende Art und Weise konnten wir so erfahren, dass die widerstandleistenden Volksmilizen, die im Krieg umgekommen sind, an Orten wie diesen von vielen als Märtyrer und Volkshelden verehrt werden. Schon bald sollten wir allerdings die abstrakte Geschichte in konkreter Biografie unserer Gastfamilien wiederfinden.

 

Aus der brutalen Vergangenheit rissen uns währenddessen immer wieder Gedanken an die Gegenwart und das bevorstehende Aufeinandertreffen mit den Gastfamilien. Nervös und gespannt fragten wir uns, wie unsere Familien wohl sein würden und ob es uns gelingen würde, uns zu verständigen.

Jegliche Bedenken verflogen allerdings direkt, als wir auf Vertreter unserer Familien trafen und wir uns gemeinsam, vollbepackt mit Gastgeschenken und Gepäck für die nächsten zwei Tage, auf den Weg machten. Dort wurden wir auch von den anderen Familienmitgliedern freundlich empfangen und durften sofort in das Familienleben eintauchen, sodass wir einen guten Einblick in die jeweiligen Strukturen bekamen.

So fertigten einige mit ihren Gastmüttern Pupusas an, andere spielten mit den Kindern und wieder andere führten interessante Gespräche. Manche hatten zudem die Möglichkeit, an einer abendlichen Totenwache eines verstorbenen Dorfmitgliedes teilzunehmen, auf der es gelöst bei Kaffee und Kuchen, aber dennoch andächtig bei Gesängen zuging.

Am Nachmittag traf sich die gesamte Gruppe samt Familien am „Santuario de los martires“, der Gedenkstätte der Märtyrer des Bürgerkrieges, zu einem gemeinsamen Kreuzweg. Von dort aus zogen wir hinauf zur Dorfkirche. Besonders beeindruckt hat uns die Tatsache, dass besonders viele ältere Menschen mit körperlichen Gebrechen und Mütter mit ihren Säuglingen an diesem teilnahmen. So liefen sie nicht nur die weite Strecke über zwei Stunden in der Hitze, sondern knieten zudem ehrfürchtig auf den harten Asphalt, um zu beten. An dieser Stelle konnten wir auch eine weitere lateinamerikanische Tradition kennenlernen, bei der eine Jesusfigur, von Dorfmitbewohnern geschultert und den Weg über getragen wurde.

Nach dem gemeinsamen Kreuzweg ließ jede/r den Tag in seiner Gastfamilie ausklingen und nutze den Abend für weiteres Kennenlernen.

Von Susanne Könning und Lisa Appeldorn

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Es bloggen die Teilnehmer einer Exposure-Reise nach El Salvador: Das sind ein Student, zehn Studentinnen des katholischen Instituts der Universität Osnabrück, Martin Kempen vom Bistum Osnabrück und Prof. Dr. Margit Eckholt. Das Thema der Reise lautet “Auf den Spuren von Oscar Romero und Ignacio Ellacuria. Christlicher Glaube, Kirche, Theologie und Politik in Lateinamerika”.