El Salvador: Der Exodus aus Arcatao

„Es ist besser, ein Problem zu haben, als eine schlechte Lösung.“ (Ignacio Ellacuria)

Für heute stand die Abreise aus Arcatao auf dem Programm. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge machten wir uns Richtung Costa del Sol auf. Einerseits hatten wir uns alle schon ein wenig mit dem Dorf, den Menschen und „unseren Familien“ vertraut gemacht, andererseits war die Vorfreude auf das Meer schon seit dem Hinflug riesig.

Einen Zwischenstopp machten wir in Guarjila. Interessant für uns ist dieses Dorf, da hier der Priester Jon Cortina, der sich aufopfernd um die Betroffenen des Bürgerkriegs aus Guarjila kümmerte, lebte. Dessen Haus wurde in das Museum „Casa-Museo Jon Cortina“ umgewandelt. Die Bewohner aus Guarjila waren im Zuge der ansteigenden Gewalt im Bürgerkrieg über die Grenze nach Honduras geflüchtet. Hier bildete sich das Flüchtlingslager mit dem Namen Misa Grande. In jenem lebten in drei eingeteilten Zonen mehrere Tausend Menschen dicht gedrängt und sie waren ausschließlich von internationalen Hilfsgütern abhängig. Auch konnte keiner das Lager aufgrund militärischer Verfolgung verlassen. Trotz dieser widrigen Umstände erstarkte der Wunsch in die eigene Heimat zurückzukehren, auch wenn sie noch so umkämpft war. Am 12. Oktober 1987 kehrten die Flüchtlinge geschlossen in ihre Heimat zurück, nachdem sie zwei Tage an der Grenze aufgehalten wurden und einen Brief an den Erzbischof und Präsidenten von El Salvador geschickt und ihre Einreise mitgeteilt hatten. Die Freude über ihre Rückkehr in ihre Heimat wurde von dem Fehlen von existentiellen Gütern getrübt. Dies war die Wirklichkeit mit der sich Jon Cortina konfrontiert sah. Er entschied sich bewusst für die Gemeinde von Guarjila und trieb den Wiederaufbau des Dorfes, die Eingliederung der Menschen und die Aufarbeitung der geschehenen Gewalttaten des Krieges voran. Sein Wirken war breit gefächert: Von grundsätzlichen Dingen wie fließendes Wasser, über Bildungsaufgaben wie Schulen, bis hin zum Brückenbau ermöglichte sein Handeln den Menschen schrittweise wieder ein würdigeres Leben. Noch heute arbeitet eine von ihm gegründete Organisation an der Suche nach in den Wirren des Krieges verschwundenen Kindern, zum Teil mit großem Erfolg. 2005 starb schließlich Cortina eines natürlichen Todes, nachdem er sich durch das Einlenken seiner Gemeinde am Tag der Ermordung der Jesuiten nicht wie geplant in der UCA befand. Auch er stand zusammen mit Ingacio Ellacuria und den übrigen Jesuiten auf der Todesliste des Militärs. Nach der Besichtigung des Museums sollte es eigentlich noch in eine weitere Gemeinde gehen, hier hatten sich aber einen Tag zuvor zwei Todesfälle von Jugendlichen ereignet. Dieses Ereignis führte uns nochmals eindringlich die Realität von El Salvador vor Augen.

Tag13_SAM_1092Von den erlebten Eindrücken der letzen Wochen geprägt, kamen wir am Nachmittag schließlich am Pazifik an. Hier bot sich uns ein wunderschöner Sonnenuntergang und eine tolle Unterkunft. Die Aussicht hier die letzten Tage der Reise zu verbringen, erfüllen uns mit Freude.

Von Richard Ottinger und Anne Kreymborg

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Es bloggen die Teilnehmer einer Exposure-Reise nach El Salvador: Das sind ein Student, zehn Studentinnen des katholischen Instituts der Universität Osnabrück, Martin Kempen vom Bistum Osnabrück und Prof. Dr. Margit Eckholt. Das Thema der Reise lautet “Auf den Spuren von Oscar Romero und Ignacio Ellacuria. Christlicher Glaube, Kirche, Theologie und Politik in Lateinamerika”.