El Salvador: Die Wirklichkeit verändert

„Transzendenz bedeutet, sich auf das Kind, auf den Armen, auf den in Lumpen gekleideten, auf den Kranken einzulassen, in die Elendshütten und Häuser zu gehen und mit ihnen allen zu teilen.“    (Oscar Romero)

„Die Wirklichkeit verändert!“ Dies sagte Martha Zechmeister, Professorin für Fundamentaltheologie an der UCA, als abschließenden Satz unserer Reflexionsrunde über die vergangenen drei Tage an der Universität. Und es ist dies was wir hier Tag für Tag erfahren. In der Begegnung mit einer ganz anderen Wirklichkeit, als wir sie aus Deutschland kennen, verändert sich nicht nur unser Bild vom Menschen, unser Weltbild sondern auch unsere Theologie.

Olga Vásquez Monzon, Theologierofessorin an der UCA, betonte in ihrem Vortrag gerade die Bedeutung der kritischen Reflexion unterschiedlicher Wirklichkeiten. Es macht einen Unterschied, ob ich die Frage nach Gott im geschlossenen Raum einer Universität in Deutschland stelle, oder im Angesicht unschuldig leidender Menschen. In einer solchen Situation entfaltet sich auch die kritische Dimension der Theologie, die dem Leiden nicht gleichgültig gegenüberstehen kann, sondern die Ungerechtigkeit anklagt und den Beginn einer anderen Wirklichkeit in Wort und Tat verkündet. Auch in einer zweiten Gesprächsrunde mit Manuel Acosta, Professor für Neues Testament an der UCA, wurde deutlich, wie wichtig die Realität der Menschen am Rande der Gesellschaft für die Theologie ist. Gott ist schließlich nicht im Palast der ökonomischen oder politischen Macht Fleisch geworden, sondern in der Marginalität eines unromantischen, dreckigen und übelriechenden Stalles.

Auf unserer Reise dürfen wir die Realität der Menschen in der Marginalität mit allen unseren Sinnen erleben. Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass wir höchstens ansatzweise eine Ahnung von deren Wirklichkeit erhalten, und doch gehen diese Begegnungen unter die Haut. Sie fordern uns in unserem Leben und Glauben heraus und verändern uns. Die unmittelbare Begegnung von Mensch zu Mensch erwartet uns in den kommenden Tagen, wenn wir in den Familien mitleben, mitbeten und mitarbeiten.

Wir verlassen nun San Salvador und dies ist Grund genug noch einmal allen Menschen, die uns auf unserem bisherigen Weg in diesem geschundenen und hoffnungsvollen Land begleitet haben Dank zu sagen. Und dies geht am besten mit einer gemeinsam Feier bei Musik und den traditionellen Pupusas (gefüllte Teigtaschen aus Maismehl).

Von Martin Kempen

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Es bloggen die Teilnehmer einer Exposure-Reise nach El Salvador: Das sind ein Student, zehn Studentinnen des katholischen Instituts der Universität Osnabrück, Martin Kempen vom Bistum Osnabrück und Prof. Dr. Margit Eckholt. Das Thema der Reise lautet “Auf den Spuren von Oscar Romero und Ignacio Ellacuria. Christlicher Glaube, Kirche, Theologie und Politik in Lateinamerika”.