El Salvador: Im Visier der Mara Salvatrucha

_MG_7632

Es gab keine Warnung. Er machte nur einen Schritt, es knallte und er war tot. Der Jugendliche von dem der 17-Jährige Moises uns erzählt, wollte nur seine Freundin abholen. Dabei hatte er die imaginäre Grenze überschritten. Die Grenze zwischen Mara 18 und Mara Salvatrucha. Zwischen zwei der gefährlichsten Jugendbanden El Salvadors.

Moises lebt auf dieser Grenze. Genau zwischen den zwei Herrschaftsgebieten. Permanent steht er im Visier der bandillas in Popotlan. Er ist eingekesselt in seinem eigenen Stadtteil. Momentan ist es besonders gefährlich, weil sich die eigenen Bandenmitglieder teils untereinander bekriegen. Vier Monate war Moises nicht mehr außerhalb seines Viertels. Sich in einen Bus setzen und rausfahren in die Stadt, das kann er nicht. „Die knallen auch mich ab. Und zwar sofort“, sagt Moises.

 Vier Monate war er nicht mehr außerhalb seines Viertels

Jeans, Turnschuhe, Schulsachen und alles was er braucht, muss er sich von seiner Mutter mitbringen lassen. Denn die Jugendbanden haben vor allem Jungs zwischen 10 und 16 Jahren im Visier. Alle anderen müssen zwar damit rechnen überfallen zu werden, sehen aber immerhin ihr Leben nicht bei jedem Schritt über die Grenze in Gefahr.

_MG_7602Sein Freund José musste vor einigen Wochen die Schule wechseln. Die Bandillas auf der Seite seiner Schule hatten herausbekommen, dass seine Cousins zu einer der anderen Jugendgangs gehörten. Er bekam eine Warnung und wusste sofort, dass er die Schule nie mehr betreten durfte. Nun muss er jeden Tag mit dem Bus fahren. Der kostet Geld, das seiner Familie an anderer Stelle fehlt.

Die bandillas bestimmen das komplette Leben der Jugend im Viertel. Die riesigen Fußballplätze sind menschenleer. Die Jugendlichen haben Angst. Sie gehen nicht gerne auf die Straße. Der einzige Raum, wo sie sich frei bewegen können ist die „Casa de la Juventud“. Das von Adveniat unterstützte Jugendzentrum ist ein geschützter Raum, den auch die bandillas akzeptieren. Hier findet das komplette Leben der Jugend im Viertel statt. Hier spielen sie Basketball, fahren Skateboard, machen Breakdance. Hier treffen Jungs auf Mädels. Abgesehen von dem angstfreien Freizeitraum, arbeiten die Ordensschwestern aber auch auf unterschiedliche Weise mit den Jugendlichen, um sie weiterhin von den bandillas fernzuhalten und sie zu „Constructores de Paz“, zu Friedensstiftern zu machen.

 

Text: Mareille Landau, Fotos: Achim Pohl