El Salvador: „Man darf nie den Glauben verlieren“

„Der Gott, zu dem wir uns bekennen ist kein toter Gott. Er ist ein lebendiger Gott, der den Schmerz von Gefolterten und Sterbenden mitempfindet.“ (Oscar Romero)

Heute hieß es zunächst einmal Abschied nehmen von allem, was uns in der letzten Woche in San Salvador vertraut geworden ist: unsere Zimmer, das Hotel und die Hauptstadt mit all den Menschen, die uns so schnell ans Herz gewachsen sind. Wir brechen noch einmal auf, um Neues kennenzulernen. Mit einem luxuriösen Bus mit Klimaanlage, die bald unsere Lebensgeister weckte, machten wir uns auf dem Weg nach Arcatao. Bei einem kurzen Zwischenstopp in Chalatenango schlug uns sofort die heiße Luft entgegen. Gefühlt war es hier mindestens 20 Grad heißer als in San Salvador.

Die Landschaft, die nun an unseren Fenstern vorbeifliegt wird immer bergiger und brauner. Unser Bus quält sich häufig im ersten Gang die kurvigen, staubigen Straßen hinauf, die streckenweise nur aus Schotter bestehen. Die meiste Zeit sind sie jedoch sehr gut ausgebaut. Wir nähern uns langsam der Gemeinde, die in den nächsten vier Tagen unser Zuhause werden soll. Im Bus ist die Spannung spürbar: Was wird uns in Arcatao erwarten? Wie werden die Familien wohnen, in denen wir ab morgen mitleben werden? Die Straße führt immer weiter den Berg hinauf. Wir fragen uns, ob hier überhaupt noch Menschen leben. Dann, nach einer Kurve, der erste Blick auf das kleine Dörfchen an der Grenze von Honduras. Am Straßenrand tauchen nun einige Häuser auf. Wo werden wir wohl morgen übernachten? Vielleicht wohnt hier meine Gastfamilie?

Im Gästehaus der Gemeinde werden wir freundlich von Padre Miguel Ángel begrüßt und wir haben erst einmal Zeit unsere Zimmer zu beziehen, ein bisschen zu entspannen und uns an die Hitze zu gewöhnen. Die besten Plätze sind in der Hängematte und unter dem großen Ventilator, denn hier wird die heiße Luft wenigstens etwas bewegt.

Nach einem sehr leckeren Abendessen und der Besprechung der kommenden Tage lernen wir Damian kennen, der uns in der Nacht bewacht. Er sitzt bereits vor unserem Haus unter dem tropischen Sternenhimmel, denn hier wird es schon um 18.30 Uhr dunkel. Damian gehört zu einer Gruppe, die nach Kindern suchen, die während des Krieges verschleppt wurden oder einfach verschwunden sind. Auch seine Tochter wird immer noch vermisst und es gibt nur wenig Anhaltspunkte wo sie sich heute befindet. Bereits seit über 20 Jahren sucht er erfolglos nach ihr. Ein Satz von ihm bewegte mich besonders: „Nunca hay que perder la fe y la esperanza“ – „Man darf nie den Glauben und die Hoffnung verlieren.“

von Anna-Lena Himstedt

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Es bloggen die Teilnehmer einer Exposure-Reise nach El Salvador: Das sind ein Student, zehn Studentinnen des katholischen Instituts der Universität Osnabrück, Martin Kempen vom Bistum Osnabrück und Prof. Dr. Margit Eckholt. Das Thema der Reise lautet “Auf den Spuren von Oscar Romero und Ignacio Ellacuria. Christlicher Glaube, Kirche, Theologie und Politik in Lateinamerika”.