El Salvador: Renovieren für Romero

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Seminaristen bei der Renovierung des Priesterseminars „Seminario San José de la Montana“. Fotos: Achim Pohl

Wie in einem Ameisenhaufen wuseln die jungen Männer durch die langen Flure, die noch mit Bauschutt und Farbklecksen übersäht sind. Sie putzen, schmirgeln, verpassen der ein oder anderen Wand noch schnell einen neuen Anstrich in gelb und weiß, holen Spinnweben von der Decke, stauben Kreuze ab. Für die Seminaristen des Priesterseminars „Seminario San José de la Montana“ nicht unbedingt das Tagesgeschäft. Aber das ist in dieser Woche bei fast jedem Slavadoreno außer Kraft gesetzt, der auch nur ansatzweise katholisch sozialisiert ist. Denn nur noch ein Tag trennt das Volk vom großen Traum der Seligsprechung Oscar Romeros, auf die es fast 20 Jahre gewartet hat.

Die groß angelegte und in lateinamerikanischer Manier kurzfristig vor dem großen Event umgesetzte Renovierungsaktion der Seminaristen hat den Hintergrund, dass am Samstag Morgen sieben Kardinäle und über 100 Bischöfe für eine Stippvisite in die klassizistischen Hallen hineinschneien werden, um sich für den Festakt anzukleiden. Denn das Seminar ist nur wenige Fußminuten von der „Plaza Salvador del Mundo“ entfernt, wo die Seligsprechung stattfinden wird.

Blick auf die "Plaza Salvador del Mundo".

Die Vorbereitungen auf dem Festgelände an der „Plaza Salvador del Mundo“ laufen auf Hochtouren.

7 Kardinäle, 100 Bischöfe, 1.200 Priester

Auch hier laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren – allerdings schon seit zwei Wochen. In einem Umkreis von 200 Metern ist um das „Monumento al Divino Salvador del Mundo“ herum weiträumig abgesperrt. „1.200 Priester werden hier sein, das hat es in El Salvador noch nicht gegeben“, sagt Weihbischof Rosa Chávez mit bescheidenem Stolz und einem sanften Lächeln. Für ihn ist die Seligsprechung ein ganz besonderes Ereignis, das er schon so viele Jahre erhofft hat: „Romero war für mich ein Priester, ein Bruder und ein Freund“, sagt Mons. Rosa. „Dass ihm jetzt diese Ehre zuteil wird, bedeutet für mich eine unglaubliche Freude.“

200.000 Hostien sind angefertigt worden. Mindestens ebenso viele Besucher werden die Straßen rund um das Monument füllen. 24 Stunden am Tag wird das Gelände von der Polizei bewacht. Die zwei großen Pressetürme ragen stählern in den Himmel und der Bühnenaufbau dazwischen hat schon deutlich Form angenommen. 50 Videoleinwände werden die Besucher entlang der Avenida Roosevelt optisch mit dem Festgelände verbinden.

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Mons. Rosa Chavez vor den ersten Aufbauten des Festgeländes.

Vigil am Vorabend der Seligsprechung

Gerade schwirren noch zwei Dutzend Gärtner durch die Grünflächen zwischen den dreispurigen Straßen entlang des Geländes. Der Rasen bekommt einen frischen Schnitt und wird noch schnell mit einem Blumenrand verziert. Eine Querstraße weiter liefert ein riesiger Lastwagen gerade ein paar Dutzend Dixi-Toiletten an.

Verkehr an der "Plaza Salvador del Mundo".Schon heute Nachmittag werden sich die Straßen in Richtung Kathedrale füllen, und es wird wohl kein Durchkommen mehr geben, wenn die ersten Tausende von Besuchern sich am Vorabend der Seligsprechung auf den Weg zur Vigil machen.

Die Vorfreude in San Salvador unter den Romero-Anhängern ist definitiv riesig. Aber klickt euch doch selber durch die Stimmen-Galerie