El Salvador: „Wir lassen uns nicht kaufen!“

„Darin besteht die Freude des Christen: Ich weiß, dass ich ein Gedanke Gottes bin, selbst wenn ich der Unbedeutendste und Verlassenste von allen Menschen bin.“ Oscar Romero

Auch heute waren wir wieder mit José Lazo unterwegs und haben uns mit Repräsentanten des Umweltteams einer Gemeinde getroffen. Seit 2004 besteht die Communidad Sitio del Niño (Ort des Kindes), die sich seither für die Menschen- und Umweltrechte, die schließlich die Rechte auf Leben sind, einsetzen.

Hierzu berichteten uns der Präsident Mauricio und seine Begleiter vom Kampf gegen die Firma „Baterías Record“, die Autobatterien herstellt, diese jedoch nicht rechtsgemäß entsorgt, sodass Schwefel, Säure , Blei und andere Schadstoffe in die Luft, den Boden und das Wasser gelangen.

Erst mit Hilfe zweier US-amerikanischer Firmen, die die Communidad bei der Sicherung der Beweislage unterstützten, konnte ein öffentliches Verfahren eingeleitet werden, das durch eine Vielzahl skurriler Begebenheiten beeinflusst wurde.

Zunächst schilderte Mauricio verschiedene Angebote der Korruption seitens der Firma, um die Umweltschützer dazu zu bewegen, von ihrem Rechtsstreit abzulassen. Die Beträge von mehreren Millionen Dollar lehnten jedoch sowohl Einzelpersonen, als auch die Gemeinde ab. Somit befindet sich die Kirche noch im Aufbau, da die Gemeinde den Bau der schönsten Kathedrale mit folgendem Bekenntnis abgelehnt hat: „Nein, wir sind Menschen und Gläubige im Geiste Monseñor Romeros- wir lassen uns nicht kaufen!“ Hierauf folgten Schritte der konkreten Repression gegen einzelne Personen der Communidad, deren Leben durch Bedrohungen und konkrete Anschläge gefährdet wurde. Nachdem auch die Öffentlichkeit darauf hingewiesen wurde, begann der öffentliche Rechtsstreit, dessen Ablauf immer wieder durch absichtliche Verzögerungen seitens der Regierung gestört wurde. So erfolgten trotz klarer Beweislage kein Urteil oder keine Sanktionen.

Dieser Rechtsstreit beschäftigt sich jedoch nicht nur mit Umweltproblemen, sondern auch deren unmittelbaren Folgen für die dort ansässigen Menschen. Das besorgniserregende Ergebnis dieser Umweltverschmutzung schlägt sich in einer 25 prozentigen Krebsrate, zahlreichen Atemwegsbeschwerden und Gliederschmerzen nieder. Besonders gerührt hat uns das Schicksal der 15-jährigen Angelica, die in unmittelbare Nähe der Firma lebte und sich aufgrund ihres Gesundheitszustandes das Leben nahm.

Innerhalb eines zehnjährigen Rechtsstreits konnte die Communidad trotz vieler Rückschläge jedoch auch Erfolge verzeichnen: Dank ihrem Engagement konnten drei Firmen geschlossen und eine Ansiedlung verhindert werden. So blicken die Umweltschützer dennoch optimistisch in die Zukunft: „Wir sind Teil des Problems, aber auch Teil der Lösung.“

Erstaunt waren wir über die Nähe von Umweltverschmutzung und blühender Natur, deren Unberührtheit wir durch den Besuch des Weltkulturerbes der Maya- Ausgrabungsstätte noch einmal in einer besonderen Intensität erleben durften. Den Abend ließen wir in der besten Pupuseria der Stadt ausklingen mit einem grandiosen Überblick über San Salvador bei Nacht.

Susanne Könning und Lisa Appeldorn

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Es bloggen die Teilnehmer einer Exposure-Reise nach El Salvador: Das sind ein Student, zehn Studentinnen des katholischen Instituts der Universität Osnabrück, Martin Kempen vom Bistum Osnabrück und Prof. Dr. Margit Eckholt. Das Thema der Reise lautet “Auf den Spuren von Oscar Romero und Ignacio Ellacuria. Christlicher Glaube, Kirche, Theologie und Politik in Lateinamerika”.

Kommentar zu “El Salvador: „Wir lassen uns nicht kaufen!“

  • 29. März 2014 at 13:42
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    Danke für den ins einzelne gehenden Bericht, der so die Not des Ortes und die Anstrengung ihrer Bevölkerung um Rücksicht aufs Leben deutlich werden lässt.
    Andreas Falkner sj

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