Entschiedener Verteidiger der Rechte der Indianer

Günter Kroemer: sein Tod ist für Brasiliens Kirche ein herber Verlust

In Porto Velho hatte man ihn erwartet. Hier, in der Stadt im brasilianischen Amazonasgebiet, findet in diesem Jahr das zwölfte intereklesiale Treffen der Basisgemeinden statt. 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen in die Stadt, zusätzlich Vertreter kirchlicher Basisgemeinschaften aus ganz lateinamerika. Günter Kroemer sollte schon zum Treffen der indigenen Gemeinschaften anreisen, das ein paar Tage vor dem eigentlichen Treffen der  Basisgemeinschaften (CEBs) stattfindet. Doch der bekannte Pater und Kämpfer für die Rechte der indigenen Völker starb kurz vor dem Treffen an einer Infektion.
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Hier: Nachruf, Meldung und weitere Bilder
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„Das ist ein herber, kaum zu verarbeitender Verlust“, sagt  Moacyr Grechhi, Erzbischof von Porto Velho und Gastgeber des Treffens der CEBs. „Pater Günter war ein exzellenter Kenner der indianischen Kultur und Religionen, mit ihm geht ein Fachmann verloren, den wir so nicht ersetzen können.“ Der Erzbischof würdigte den aus Deutschland stammenden Priester als einen „entschiedenen Verteidiger der Rechte der Indianer.“ Kroemer habe sich nie gescheut, sein Leben für die Indianer aufs Spiel zu setzen.

Günter Kroemer stammte aus Breslau und hatte sich entschlossen, Priester zu werden, nachdem er in Brasilien Dom Hélder Câmara kennen gelernt hatte. Kroemer gehörte zu den Gründungspersönlichkeiten des brasilianischen Indianermissionsrates CIMI. Dort war viele Jahre für die Kontakte zu den „unberührten“ Völkern zuständig, die kaum oder noch gar keinen Kontakt zur „zivilisierten Welt“ des übrigen Brasilien hatten. Kroemers Tod trifft daher vor allem seine Mitstreiter beim CIMI, die in dieser Woche ebenfalls in Porto Velho sind. In einem Gottesdienst wollen sie Günter Kroemers gedenken.

Sein Beitrag zum zwölften intereklesialen Treffen der Basisgemeinden, den er kurz vor seinem Tod schrieb, liest sich wie ein Vermächtnis: „Die indianischen Völker mit ihren traditionellen Kulturen sind für uns ein Vorbild in Sachen ökologisches Handeln. Ihr Handeln, das nachhaltig und ökologisch ausgerichtet ist, kann für unsere globalisierte Welt, die sich am Markt orientiert. Wir können von den Indianern lernen, dass es die Erde ist, die unsere Wirtschaft garantiert, eine Welt, in der man nachhaltig leben und wirtschaften muss und sich nicht nur ihrer bedient, um sich zu bereichern.“

Der Einsatz für die Rechte der Indianer, wie ihn Günter Kroemer gelebt hatte, soll weitergehen. Gerade erst habe der CIMI mit dem erfolgreichen Kampf um das Gebiet der „Terra Raposo do Sol“ der Macuxi-Indianer im Nordwesten Brasiliens einen wichtigen Erfolg errungen. „Aber noch immer sind viele Indianergebiete nicht ausreichend markiert, werden Indianer als Menschen zweiter oder gar dritter Klasse betrachtet und gelten ihre Länder allein als Lagerstätten wichtiger Bodenschätze, die es auszubeuten gelte“, klagt Erzbischof Moacyr Grecchi. Die Kirche werden diesen Einsatz, ganz im Sinne Günter Kroemers, fortsetzen.

Text: Christian Frevel