Eröffnung der Adveniat-Aktion 2011

Pünktlich zum Beginn des Gottesdienstes kam die Sonne über der Favela „Futuro Melhor“ im Viertel Cachoeirinha heraus. Als Kardinal Odilo Scherer, der Erzbischof von São Paulo, die Eucharistiefeier zur Eröffnung der Adveniat-Jahresaktion begann, lachte die Sonne den Bewohnern des Viertels ins Gesicht. Ein Strahlen zeigte sich auch auf den Gesichtern der vielen Menschen, die dieses Ereignis in Brasilien vorbereitet hatten: Nach 18 Monaten Vorbereitung konnte via Zweites Deutsches Fernsehen ein Stück brasilianischer Realität, Ausdruck weltkirchlichen Miteinanders, in deutsche Wohnstuben gebracht werden.

Denn der Gottesdienst fand mitten in der Favela „Futuro Melhor“ (bessere Zukunft) statt, zwischen einfachsten Behausungen und einem Abwasserkanal. Seit die Präfektur, die Stadtverwaltung von São Paulo, gebeten worden war, bei der Vorbereitung für die Adveniat-Eröffnung zu helfen, waren in den vergangenen sechs Monaten die Zufahrt zur Favela asphaltiert und eine Straßenbeleuchtung errichtet worden. Und die Bewohner, die seit vielen Jahren für einen Gesundheitsposten im Viertel kämpfen, übergaben Kardinal Scherer einen Brief mit der Bitte um Unterstützung: „Bitte helfen Sie uns, auf Sie hört der Präfekt eher als auf uns.“ Als Nebenprodukt der Eröffnung kam also jetzt schon ein Stück „bessere Zukunft“ in die Favela.

Der Gottesdienst, zu dem mit Erzbischof Robert Zollitsch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz angereist war, wurde zweisprachig gehalten. Alle Teilnehmenden auf dem Platz hatten Texthefte auf portugiesisch zur Hand, so dass sie auch die Predigt (die Dom Odilo Scherer auf deutsch hielt) verstehen konnten. Für die Fernsehzuschauer in Deutschland und Brasilien (denn die Messe wurde von Rede Vida in ganz Brasilien ausgestrahlt) gab es jeweils eine Simultanübersetzung.

„Warum sind Sie ausgerechnet hierher gekommen?“ war eine Frage, die ich in den letzten Tagen oft beantworten musste – zuletzt live in den letzten Minuten vor dem Gottesdienst im brasilianischen Sender Rede Vida. Die Antwort ist einfach: Adveniat wollte im 50. Jahr des Bestehens der Aktion dorthin, wo die Hilfe ankommt: an die Seite der Armen. Und das wurde in den Bildern, die in der TV-Übertragung zu sehen waren, überdeutlich, das hier keine wohlhabenden Leute wohnen. Holzbaracken, einfachste Behausungen, ärmlich gekleidete Kinder. Dennoch zeigte der Gottesdienst auch, dass diese Menschen nach einer „besseren Zukunft“ in Würde streben.

Am Nachmittag wird die Delegation zu Gast sein in der Kirche der Obdachlosengemeinde. Bilder aus diesem von Adveniat seit Jahren unterstütztem Projekt waren als Einspieler auch im Gottesdienst zu sehen: Videoreporter Jan Frerichs hat Hedwig Knist von der Obdachlosenpastoral begleitet und zeigt, wie den Obdachlosen Möglichkeiten eröffnet werden, in ein geregeltes Leben zurückzukehren.

Christian Frevel

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