Eröffung des 12. Treffens der Basisgemeinden Brasiliens mit vielen „kleinen“ Leuten

Die Eröffnungsfeier des 12. Treffens der Basisgemeinden (CEBs) findet auf dem Madeira-Mamoré-Platz im Stadtzentrum von Porto Velho statt. Dort in der Nähe des Hafens haben sich viele tausend Menschen versammelt: 3.000 Delegierte aus ganz Brasilien, dazu etwa 4.000 ehrenamtliche Helfer/innen des Treffens und eine Vielzahl von Interessierten hier aus der Stadt. Die abendliche Hitze und die Anstrengungen der Anreise stehen vielen ins Gesicht geschrieben. Dennoch ist die Stimmung bei den Menschen, mit denen ich spreche, von großer Freude, Neugier und Offenheit geprägt. Viele haben eine Anreise per Bus von vier oder fünf Tagen hinter sich. Bisweilen konnten sie unterwegs in Pfarrreien essen, schlafen und duschen, die sich zu diesem Zweck eigens vorbereitet und organisiert hatten. So ist Porto Velho die Endstation von Bussen aus ganz Brasilien. Der Erzbischof von Porto Alegre, Dom Moacyr Grechi, hebt in seiner Begrüßung hervor, dass auf dem 12. Basisgemeindetreffen erstmals Delegierte aus allen 271 Bistümern Brasiliens präsent sind.

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Hier: Link zum Treffen der Basisgemeinden

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Anders als vorherige Eröffnungen besticht die Feier in Porto Velho durch ihre Schlichtheit. Mit seinem ruhigen Flötenspiel lädt uns ein Indio zu Beginn ein, auf die Stille des Regenwalds zu hören. Vertreter/innen der indigenen Völker, der Bewohner der Flussränder, der Gummizapfer und der Quilombos treten in ihrer traditionellen Kleidung nach vorn. Ihre Kleidung, die mitgebrachten Arbeitsinstrumente und die Bilder auf der Bühne lassen eine unermessliche Vielfalt an Symbolik erahnen, die sich mir nur zum kleinen Teil erschließt. Ich vermute, dass es den Frauen und Männern aus anderen Teilen Brasiliens nicht viel anders geht. Immer wieder sind Wasser und Boote zu sehen. Der Respekt vor Gottes Schöpfung ist überall präsent.Sehr einducksvoll sind Dom Moacyrs Predigtworte: „Die Völker Amazoniens benötigen dieses Treffen, denn noch immer wird Amazonien von den Regierenden als eine Art Kolonie betrachtet, die es auszubeuten gilt.“
In der Tat muss man angesichts der  stetig vorschreitenden Ausbeutung dieser Region Brasiliens, in der 160 Indiovölker leben, an die leidvolle Geschichte der zurückliegenden 500 Jahre des Landes denken. Ist es eine Neuauflage dieser Kolonialzeit mit beschleunigten Vorzeichen, mit brasilianischen und ausländischen Kolonialherren, wenn etwa alle 18 Sekunden 1 Hektar des brasilianischen Regenwalds in Weidefläche für Rinder verwandelt wird?
Meine bisherigen Gespräche mit Einheimischen hier machen den Satz von Dom Moacyr auch für die in der Katholischen Kirche „Regierenden“ relevant. Auch sie haben in den letzten Jahren ein verstärktes Interesse an einem größeren missionarischen Engagement der Katholischen Kirche in Brasilien bekommen. Ich spüre bei kirchlichen Mitarbeiter/innen und mit Missionar/innen, die lange Zeit hier in Amazonien gearbeitet haben, eine gewisse Befürchtung, dass auswärtige Priester, Ordensleute und Laien mit fertigen missionarischen Konzepten kommen. Sie sagen: Es gibt bereits eine sehr lebendige Gemeinde hier in Amazonien; die solltet ihr zunächst einmal kennen lernen, um uns dann bei der Bewältigung der hier herrschenden Herausforderungen zu helfen.
Pe. Hermes aus dem südbrasilianischen Santa Catarina hat sieben Jahre in der Amazonasprälatur Óbidos gearbeitet. Als ich ihm sage, dass ich nur bis zum Ende des einwöchigen Basisgemeindetreffen bleiben kann, erwidert er mir: „Schade – Du wirst Amazonien nicht kennen lernen.“
Beim Schlusssegen wiederholt Dom Moacyr einen auch bei uns in Deutschland in anderer Form bekannten Satz, der so etwas wie ein Slogan für das Basisgemeindetreffen hier in Porto Velho werden könnte: „Viele kleine Leute, die viele kleine Dinge in weit von einander entfernten Gemeinden tun, können außerordentliche Veränderungen schaffen.“ Dieser Satz passt auch sehr gut in das Adveniat-Stammbuch.

Autor: Norbert Bolte

Porto Velho, 23.07.2009