Brasilien – Es lebe die Kokosnuss

KokosnussverkäuferDeutschland versinkt im Schnee, Brasilien leidet unter einer rekordverdächtigen Hitzewelle. Seit Wochen werden Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad gemessen. Wer nicht muss, geht nicht auf die Strasse sondern bleibt im klimatisierten Büro oder dem schattigen Zuhause. Doch wir haben keine Wahl und müssen raus für unsere Reportagen: in die Favelas, zu den Müllsammlern, zu den Strassenkindern. Trotz ärmellosen T-Shirts, Sommerkleid und Sandalen schwitzen wir, dass uns das Wasser nur so herunterläuft. Vor allem Jürgen, der seine schätzungsweise acht Kilo schwere Fototasche immer mit sich herumschleppt.

Unsere Retter sind die Kokosnussverkäufer. Besonders Edilson, der strategisch günstig gelegen im Stadtzentrum von Sao Luis platziert ist, und “coco gelado” feil bietet. Kaum ein Getränk erfrischt so gut wie die eisgekühlte Kokosmilch. Nichts ist so billig, so gesund und so ökologisch: die Nuss wird mit der Kokosnuss auslöffelnMachete aufgehackt, einziger Plastikmüll ist der Strohhalm, den man hineinsteckt, um sie auszutrinken, und wer will, kann sie sich anschließend aufschlagen lassen und das Fruchtfleisch auslöffeln mit einem Schaber, den Edilson mit drei gekonnten Machetehieben aus der Schale der Nuss herausschlägt. Edilson verkauft auch Wasser und Erfrischungsgetränke, doch die Kokosnüsse sind der Renner.

Reich wird Edilson dennoch nicht. Für umgerechnet etwa 60 Eurocents verkauft er jede Nuss, wenn der EdilsonEinkaufspreis, die Standgebühren an die Präfektur, der Bus, mit dem er ins Stadtzentrum fährt und die Kosten für die Eiswürfel zum Kühlen abgezogen werden, kommt er täglich auf etwa 60 Reais Gewinn (rund 25 Euro). Dafür steht er um sechs Uhr früh auf und kommt um zehn abends nach Hause. “Bitte gleich noch eine “, unterbricht Jürgen. Edilson strahlt und sucht die Größte davon aus. Extra für die guten Kunden aus “Alemanha.”

Text: Sandra Weiss, Fotos: Jürgen Escher