Eva und die beiden Novizinnen

„Wir kommen mit Dir mit nach Deutschland.“ Entzückt über ihre eigene Idee lächelnd, stehen die beiden vierundzwanzigjährigen Novizinnen vor mir. Rosalie und Almandie sind beide seit zwei Jahren im Schwesternhaus in Léogâne. Sie sind sehr lustig und umgänglich.

Die beiden Novizinnen Rosalie und Almandie üben mit Eva Habermann deutsche Lieder: "An Tagen wie diesen" … Foto: Habermann

Die beiden Novizinnen Rosalie und Almandie üben mit Eva Habermann deutsche Lieder: „An Tagen wie diesen“ … Foto: Habermann

Almandie hat öfters Lachanfälle beim Essen, kriegt sich nicht mehr ein und fällt dabei immer fast vom Stuhl. Rosalie ist etwas rundlich und nimmt sich beim Mittagessen und Abendessen immer die doppelte Portion. Sie sind den ganzen Tag am arbeiten, ob in der Schule, im Haushalt, oder sie studieren religiöse Bücher. Sie gehen jeden Donnerstag und Freitag nach Port-au-Prince in die Schule.

Soweit ich das verstanden habe, muss man in der Gemeinschaft erst acht bis zehn Jahre Novizin sein, bevor man Schwester werden kann und seine Profess (das Ordensgelübde, also das endgültige Versprechen, Jesus sein Leben zu widmen und nach der Ordensregel zu leben) ablegt. Nun haben sie sich offensichtlich spaßeshalber überlegt, mit nach Deutschland zu kommen und flachsen darüber. Die älteren Schwestern sind in der Nähe – und ich weiß nicht, ob so ein flachsig vorgetragener Wunsch für Novizinnen standhaft ist oder nicht. So reagiere ich mit den Worten, dass es in Deutschland immer sehr kalt sei und man manchmal „vier Wochen lang die Sonne nicht sieht, weil es immerzu bewölkt ist.“ Das scheint den Wunsch nach Auswanderung der Novizinnen dann doch zu beeinträchtigen.

Schon seit zwei Tagen fragen sie mich, ob ich ihnen nicht ein deutsches Lied beibringen kann, aber kein Kinderlied, sonder eines mit Rhythmus. Ich überlege nicht lang, denn mir fällt das Lied der „Toten Hosen“ ein: „An Tagen wie diesen“. Da ist zumindest nichts Anstößiges dabei – ich könnte den jungen Frauen ja alles Mögliche beibringen, da sie deutsch eh nicht verstehen. Wie zum Beispiel der Song von den „Prinzen“: „Männer sind Schweine“. Das lasse ich lieber.
Heute Abend ist es dann also soweit: Rosalie und Almandie lernen ein bisschen deutsch. Außerdem haben sie zu mir gesagt, wenn ich einmal zum Strand wolle, solle ich zu Schwester Miriam unbedingt sagen, dass sie mitkommen sollen, quasi als meine religiösen Bodyguards. Sie dürfen sich zwar nicht öffentlich im Bikini zeigen, aber egal: Ihre Idee, mich an den Strand zu begleiten, bringt ihre Augen zum Leuchten.

Na dann mal zu – Baden mit religiösem Beistand!