Ferien in Chile

In den Monaten Januar und Februar sind in Chile die Ferien. Die Kinder haben schulfrei und ganze Unternehmen machen zu dieser Zeit alle Türen dicht. Die Kirche folgt in dieser Zeit einer alten Tradition: Sie nutzt die Freizeit, um ihre Aktivitäten zu intensivieren. „Vamos a las misiones“ heißt es dann. Viele Jugendliche und Studenten folgen diesem Aufruf und ziehen zusammen mit ihren Priestern aufs Land, um dort Volksmission abzuhalten. Sie vermitteln ihren Glauben, beten und singen mit den Menschen oder kümmern sich um Kinder und Jugendliche. Vielfach geht es zu wie in Zeltlagern. Im Hintergrund steht aber, die zukünftigen Eliten des Landes mit anderen Realitäten in Kontakt zu bringen und sie für die Bedürfnisse ihrer Umgebung zu sensibilisieren. Auch steht das Miteinander und die Vertiefung des eigenen Glaubens im Mittelpunkt.
Bis heute haben sich viele Reiche eine Sensibilität gegenüber den Bedürfnissen der Armen bewahrt und sind bereit, ihre Mittel hierfür zu geben. Die Kirche hat es aber bislang nicht vermocht, diese Gruppe zu einem dauerhaften Engagement zu gewinnen. Sicherlich könnte Chile von ausländischer Hilfe längst unabhängig sein und sogar anderen Ländern finanziell helfen, würden die wohlhabenden Bürger ihren Beitrag zur Finanzierung der Kirche leisten. Das Beitragsystem der chilenischen Kirche hat viel Beitragszahler aus den armen Schichten erreicht, hat aber bislang wenig Echo unter den Wohlhabenden gefunden. Die Kirche wird auch weiterhin auf Hilfen aus dem Ausland angewiesen sein , will sie weiter prophetische Stimme in der Welt sein.

Reiner Wilhelm