Gelandet in Haiti

Schwester Alta mit einer Zeitschrift, in der über den ersten Besuch von Eva Habermann in Haiti berichtet wird. Foto: Habermann

Schwester Alta mit einer Zeitschrift, in der über den ersten Besuch von Eva Habermann in Haiti berichtet wird.   Foto: Habermann

Endlich gelandet in Haiti. Es ist 9 Uhr morgens. Am Flughafen ist sehr viel Gewusel – die Einzige, die ich gerade nicht entdecke, ist Schwester Alta. Na, hoffentlich hat das alles funktioniert mit der Abholung?! Stattdessen sind hier sehr viele Taxifahrer, die mir bereits halb den Koffer aus der Hand reißen und ihn in ihr Taxi verschleppen möchten. „No, no merci…!“ Mein Französisch ist mir auch gerade abhanden gekommen, aber zum Protestieren reicht es gerade noch – mein Kopf ist leer, und ich bin etwas müde von der Reise…

Da kommt auch schon Schwester Alta auf mich zu, unverkennbar in blauer Schwesterntracht. Sie begrüßt mich herzlich und redet erstmal wie ein Wasserfall auf mich ein. „Oui, oui, super…, also süpeeer“, stammele ich. Soviel zu meinem Französisch heute morgen, das geht ja gut los… Wir fahren zunächst ins Mutterhaus der Ordensgemeinschaft der „Schwestern Jesu“, wo mich eine Tasse Kaffee und mehrere Gebäckstückchen erwarten. Das eine erinnert optisch stark an ein Croissant, schmeckt aber wie ein Brötchen.

Die Spuren des Bebens sind noch sichtbar

Gegenüber des Schwesternhauses befinden sich eine Kirche und eine Schule. Die Kirche ist nur behelfsmäßig überdacht, sie hat ganz offensichtlich bei dem Erdbeben vor fünf Jahren ihr Dach und einige ihrer Grundmauern verloren. Gottseidank war zum Zeitpunkt des Bebens gerade kein Gottesdienst, so dass niemand ums Leben kam. Bei der Schule war das leider anders. Zahlreiche Lehrer und Schüler mussten hier ihr Leben lassen, weil die Konstruktion nicht erdbebengerecht war und über den Klassen wie ein Kartenhaus zusammenbrach. Schwester Alta zeigt mir das Grab der zwei Ordensschwestern, die von einer Mauer erschlagen wurden. Betrübt berichtet sie mir, dass sie nichts mehr für sie tun konnte. Inzwischen wurde die Schule aber mit Spendengeldern wieder aufgebaut und bietet heute 200 Kindern die Möglichkeit, etwas zu lernen.

Weiter geht es nach Léogâne,eine knappe Stunde südwestlich der Hauptstadt Port-au-Prince. Hier soll in den nächsten vier Wochen meine Heimat sein. Ich werde den fünf Schwestern und vier Novizinnen vorgestellt, die hier leben. Schwester Miriam wird für mich verantwortlich sein und mir hier alles zeigen. Mit ihr werde ich morgens in die Schule gehen und… Hmmm, wie genau meine Aufgabe aussehen wird, weiß ich noch nicht. Aber Schwester Alta hat schon alles organisiert und will mir später einen Plan geben. Da bin ich ja mal gespannt.

Eva Habermann