Kolumbien: Gespräche über Frieden und Aussöhnung

Gruppenbild nach einem langen Gespräch über die Situation in Kolumbien: Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck und Bischof Luis Augusto Castro Quiroga, der Vorsitzende der Kolumbianischen Bischofskonferenz, zusammen mit Prälat Bernd Klaschka, Monika Lauer-Perez und Stephan Jentgens von Adveniat.

Gruppenbild nach einem langen Gespräch über die Situation in Kolumbien: Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck und Bischof Luis Augusto Castro Quiroga, der Vorsitzende der Kolumbianischen Bischofskonferenz, zusammen mit Prälat Bernd Klaschka, Monika Lauer-Perez und Stephan Jentgens von Adveniat.

Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck ist in Kolumbien unterwegs, um sich über die Situation des Landes und die Arbeit der Kirche zu informieren. Zudem besucht er Adveniat-Projekte und spricht mit Projektpartnern. Die Reise findet statt im Kontext der diesjährigen Adveniat-Aktion, die die Arbeit der Kirche in Lateinamerika für Frieden und Gerechtigkeit in den Mittelpunkt stellt. 

Luis Augusto Castro Quiroga ist ein in Sachen Verhandlungen um Frieden erfahrener Mann. Der aktuelle Vorsitzende der Kolumbianischen Bischofskonferenz hat selbst mehrfach an Verhandlungen zwischen der Regierung Kolumbiens und der FARC-Guerilla teilgenommen, zumeist in vermittelnder Position. Die Kirche in Kolumbien ist vielen Jahren bemüht, den seit 1964 anhaltenden Bürgerkrieg beenden zu helfen, und zum ersten Mal in den mehr als 50 Jahren bewaffneten Konflikts scheint es jetzt, dass die Verhandlungen Chancen auf eine Einigung haben.

Das Land braucht den Frieden: Seit 1964 sind 200.000 Menschen getötet worden, 7,8 Millionen Kolumbianer werden zu den Opfern gezählt, weil sie von ihrem Land vertrieben, verletzt, gefoltert, vergewaltigt oder entführt wurden. Rechnet man die Familien der Opfer hinzu, ist die Hälfte der Bevölkerung Kolumbiens direkt vom Bürgerkrieg betroffen.

Bischof Luis Augusto gibt sich zuversichtlich, man werde eine Lösung finden, um auch die letzte (und schwierigste) Forderung der FARC irgendwie zu erfüllen. Denn die Guerilleros lehnen es ab, als Verbrecher verurteilt zu werden. Sie möchten als Helden in einem Befreiungskampf gesehen werden und stellen daher die Formel „Null Gefängnis“ als Voraussetzung für die Einigung auf. Der Vorsitzende der Kolumbianischen Bischofskonferenz verweist darauf, dass auch zahlreiche Militärs als Kriegsverbrecher angeklagt werden sollen. Bei allen Verhandlungen sind Vertreter der Kirche dabei, tagen hinter verschlossenen Türen, führen zudem (wie der Erzbischof von Bogotá, Kardinal Rubén Salazar) Gespräche mit Politikern und Opferverbänden, und die Kirche ist zudem in den Konfliktgebieten mit Ordensleuten, Pfarrern und geschulten Laien präsent. „Wir haben etliche Kurse zum Umgang mit Konflikten durchgeführt“, berichtet Bischof Luis Augusto. „Zudem schulen wir die Pfarrer darin, eine klare und gerechte Sprache zu sprechen, die auch die politische Lage und die Realitäten deutlich beschreibt. Nur eine klare und eindeutige Sprache wird die pastoralen Mitarbeiter davor bewahren, in Konfliktgebieten selbst zum Konfliktfall zu werden.“ Dass die Pfarrer und der Bischof dann eine Einheit bilden, ist eine zwingende Notwendigkeit in diesem Konflikt. „Streit und Zwietracht würden sofort von denen ausgenutzt, die keinen Frieden wollen“, sagt der Bischof.

Der Vorsitzende der Kolumbianischen Bischofskonferenz wird in diesem Advent zur Eröffnung der Adveniat-Aktion nach Deutschland kommen und dort über die Situation in Kolumbien berichten. „Wir hoffen, dass die Verhandlungen in Havanna dann schon einen Schritt weiter sind“, sagt er. Mit ihm wird Padre Dario Echeverri nach Deutschland kommen, der Sekretär der Nationalen Versöhnungskommission und aktueller Vermittler seitens der Kirche bei den Verhandlungen in Havanna. Padre Dario hatten wir im Adveniat-Blog vor kurzem vorgestellt: http://www.adveniat.de/blog/kolumbien-arbeiter-fuer-den-frieden/