Guatemala: Neue Frisur in fünf Minuten

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Adveniat-Volontärin Christina Weise bekommt spontan die typische Kopfbedeckung der Ixil-Frauen. Fotos: Achim Pohl

Endlich angekommen! Nach einer dreistündigen Autofahrt, Berg rauf, Berg runter, haben wir endlich den Ort Chajul in der Region Ixil erreicht. Am Ortseingang machen wir eine kleine Pause und warten auf Padre Tomás, der uns zur Pfarrei geleiten soll. Froh, endlich die Beine vertreten zu können, steigen wir aus. Kaum stehe ich neben dem Wagen und beobachte das bunte Treiben auf der Straße, tippt mich ein Mädchen an. „Möchtet ihr Stoff kaufen?“, fragt die Achtjährige. Ich schaue meine Adveniat-Kollegin Stefanie Hoppe an und wir sagen gleichzeitig: „Porque no?“ – „Warum nicht?“

Frisurenblog03Das Mädchen nickt ihrer Mutter zu, die sofort in der einfachen Lehmhütte verschwindet. Wir hinterher. Sie drückt uns einen bunten, aufwendig gewebten Gürtel in die Hand. Drei Monate hat sie daran gewebt, berichtet sie. Irgendwie muss sich unser Interesse herumgesprochen haben. Aus der Hintertür treten weitere Frauen mit Stoffen in den Händen ins Haus. Ein kleiner Basar beginnt. Sie führen uns ihre bunt gemusterten Stoffe vor, drücken sie uns in die Hände, wollen, dass wir darüber fühlen. Ihr Spanisch klingt ungewöhnlich hart, viele können nur einzelne Sätze – es ist nicht ihre Muttersprache. Und doch haben sie uns voll im Griff. Sie wissen ganz genau was sie tun, denn obwohl Chajul mitten in den Bergen liegt, kommen hier öfter Touristen vorbei. Die Frauen in ihren roten Trachten wissen, dass ihre Stoffe bei den Fremden gut ankommen.

Gewöhnungsbedürftig mit zwei Bömmeln auf dem Kopf

Frisurenblog05Dann spüre ich plötzlich Blick auf mir. Die Mutter des Mädchens zeigt auf mich und sagt: „Setz dich mal hier hin.“ Sie schiebt einen kleinen Holzstuhl vor. Ich setze mich und sie beginnt mit den Fingern durch meine Haare zu kämmen. Dann legt sie ein Band über meinen Kopf. Sie dreht meine Haare zusammen und wickelt das Band darum. Die anderen Frauen schauen amüsiert zu und kommentieren das Geschehen in ihrer mir völlig unverständlichen Muttersprache Ixil. Es sind Klack- und Zischlaut auf die ich mir keinen Reim machen kann. Die Kinder lachen. Nach fünf Minuten habe ich die typische Kopfbedeckung der Ixil-Frauen. Die zwei Bömmel auf meiner Stirn sind etwas gewöhnungsbedürftig. Die Frauen und Kinder kichern hinter mir her, als ich aus dem Haus gehe. Ich biete wohl einen unglaublich witzigen Anblick.