Guatemala: Noheydi will Ärztin werden

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Noheydi berichtet der Adveniat-Journalisten-Gruppe von ihren Zukunftsplänen. (2. v.l. Hilde Regeniter). Foto: Regina Mennig

Maya-Bewohner in entlegenen Bergdörfern, Menschenrechtsorganisationen in der Hauptstadt, Protestinitiativen gegen ein Bergbau-Großprojekt – das sind die Stationen der Pressereise nach Guatemala, die Adveniat derzeit mit neun Journalisten verschiedener Medien unternimmt. Ihre Berichte werden im Herbst veröffentlicht – im Deutschlandradio und im Domradio, bei der Südwestpresse oder der Schwäbischen Zeitung. Kleine Anekdoten „vom Wegesrand“ erzählen die Journalisten aber schon jetzt, hier im Adveniat-Blog.

Mathe ist ihr Lieblingsfach. „Weil das mit den Zahlen alles so furchtbar logisch ist“, sagt Noheydi. Sie ist 13 Jahre alt und nicht gerade auf den Mund gefallen. Und die Abschlussprüfung heute, meint sie, ist auch ganz gut gelaufen. Wenn das wirklich stimmt, kann sie nächstes Jahr weiter machen bei der Radioschule IGER (Instituto Guatemalteco de Educación Radiofónica) – und sich Stück für Stück vorarbeiten in Richtung Abitur.

Keineswegs selbstverständlich für ein Maya-Mädchen in Guatemala. Schließlich können bis heute 40 Prozent der Menschen im Land nicht richtig lesen und schreiben. Und Noheydi wohnt weit weg von guten Schulen: Ihr Dorf Cerro las Granadillas liegt zwar nur 50 Kilometer von der Hauptstadt Ciudad de Guatemala entfernt – marode Schotterstraßen trennen sie aber um gefühlte Lichtjahre vom Zentrum der Bildung. Da wirkt der Unterricht per Radio wie ein Tor zur Welt des Wissens.

Auch wenn es nicht immer Spaß macht – Noheydi will weiter lernen

Wie die insgesamt 36.000 anderen IGER-Schüler in Guatemala hört sich Noheydi jeden Tag ihre Lektionen an, macht Aufgaben und trifft sich regelmäßig mit anderen Radio-Lernern und ihrem Tutor. Und auch wenn das nicht immer Spaß macht – Noheydi will auf jeden Fall weiter lernen. So wie ihre große Schwester, die bald Abi macht. Ihr Vater, der in den USA ist und mit seinen Gelegenheitsjobs dort die Familie in Guatemala über Wasser hält, freut sich immer, wenn die Tochter am Telefon von Fortschritten beim Lernen erzählt – besonders, dass sie so gut rechnen kann. Mit einem ist auf jeden Fall zu rechnen: Dass Noheydi am Ende ihren Traum wahr macht und einfach Ärztin wird. Weil sie so gerne Menschen helfen will.

Autorin: Hilde Regeniter, Moderatorin und Reporterin bei Domradio in Köln.