Guatemala: Ein unbequemer Gast in der Mine San Rafael

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Bischof Monseñor Bernabé Sagastume zu Besuch in der Mine San Rafael in seinem Bistum Santa Rosa de Lima. Fotos: Achim Pohl

Premiere für den Bischof: Seit Jahren ist Monseñor Bernabé Sagastume einer der schärfsten Kritiker der Mine San Rafael in seinem Bistum Santa Rosa de Lima, drin war er aber noch nicht. An Einladungen hatte es nie gemangelt, bislang hatte er einen solchen Besuch jedoch vermieden. Uns Journalisten zuliebe, die wir seit Tagen in der Region zu dem Thema recherchieren, ist er nun doch mitgekommen.

Entsprechend hektische Betriebsamkeit herrscht in der Mine bei unserer Ankunft. Der Chef, der Generaldirektor, die Abteilungsleiter, sie alle wollen sich mit ihm fotografieren lassen. Und ihn von den Vorzügen ihres Projektes überzeugen. Und das passiert erst einmal mittels einer hundertseitigen Power-Point-Präsentation, die Freude eines jeden Journalisten. Zwei Stunden lang werden wir mit Fakten zugeballert, jedes Sozialprojekt, jeder Gemüsegarten und jede Kloschüssel, die das Unternehmen aufgebaut hat, ist dokumentiert. Ich sinke immer tiefer in den schweren Ledersessel. Der neben mir sitzende Lobbyvertreter überbrückt die Zeit damit, das uns angebotene Essen zu vertilgen. Staunend beobachte ich, wie der Berg an leeren Chipstüten, Käsebrotverpackungen und Kaffeebechern vor ihm immer größer wird.

Wie kann es sein, dass friedliche Demonstranten im Gefängnis landen?

Bis der Bischof zum eigentlichen Punkt kommt: Warum denn eigentlich die Bevölkerung in der Region niemals über das Projekt informiert wurde? Wie es sein könne, dass die Menschen, die friedlich gegen die Mine protestieren, kriminalisiert würden? Angeschossen, verhaftet und tagelang ins Gefängnis gesteckt würden, ohne, dass man ihnen einen Grund dafür genannt hätte. Warum die Mine einen Sicherheitschef beschäftigt hat, der nachgewiesenermaßen die Anweisung gab, die Demonstranten zu erschießen?

Später wird der Minen-Chef im Interview mit uns ein sorgenvolles Gesicht aufsetzen und mit betont sanfter Stimme mehrfach unterstreichen, dass er ein gläubiger Katholik sei und es unendlich bedauere, dass ausgerechnet die Kirche in der Diözese die Menschen derart manipuliere. Was er Manipulation nennt, nennt der Bischof Aufklärung: „Wir sind doch die Einzigen, die sich um Information bemüht haben. Natürlich wäre es den Minenbetreibern lieber gewesen, wenn sie einfach unbehelligt ihr Projekt hätten weiter vorantreiben könnten!“, sagt er.

Mina San Rafael05Grell gelbe und blaue Abwasser

35.000 Tonnen Gestein werden hier täglich umgewälzt. Bei einem Rundgang über das Gelände sehen wir, wie es von einem Mühlstein, so groß wie ein Flugzeugbauch, zermalmt wird, um ihm Blei, Zink und Silber zu entlocken. Der muffige Geruch von Methangas will irgendwie nicht zu der soeben noch vorgetragenen Behauptung passen, dass Umweltschutz hier das vorrangige Ziel sei. Auch nicht die grell gelben und blauen Abwasser, die aus einer der unzähligen Maschinen tropfen.

Geduldig lässt der Bischof sich das alles zeigen, überzeugt sind er und wir trotzdem nicht. Am Ende verbleiben die Herren mit einem unverbindlichen Händeschütteln. Der Monseñor war übrigens schlau: Er hat dem PR-Team, das die ganze Zeit um uns herum springt, verboten, die Fotos von seinem Besuch zu veröffentlichen. Die Mine betreibt ein eigenes Werbeblättchen und er weiß zu gut, wie gerne man dort den Artikel „Bischof interessiert sich für Bergbauprojekt“ veröffentlichen würde.