Mexiko: Heimkehr nach Orizabita

Für Prälat Bernd Klaschka ist dies wie eine Heimkehr nach Hause. 15 Jahre hat er im Bistum Tula, nördlich von Mexiko-Stadt im Valle de Mezquiital (Bundesstaat Hidalgo) gearbeitet. Von 1996 bis 2004 war er Pfarrer in Orizabita, einem kleinen Flecken in den Bergen, die das Tal begrenzen. Bernd Klaschka erhielt die Aufgabe, die neu gegründete Pfarrei aufzubauen. Mehr als 35 Gemeinden gehören zum weitläufigen Gebiet, die meisten von ihnen im abgelegenen Bergland.

Heimkehr zu Freunden: Bernd Klaschka (4.v.r.). gemeinsam mit Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck im Kreis der Mitarbeiter der Pfarrei in Orizabita.

Hier leben Menschen vom Volk der Otomí. Gemeinsam mit Canisianer-Brüdern setzte sich Bernd Klaschka für bessere Lebensbedingungen, für Ausbildung und Arbeitsplätze der Otomí-Indianer ein. Zudem war er als Bischofsvikar im Bistum Tula für die Pastoral und für die Ausbildung von Priestern und Diakonen zuständig.

Als er 2004 zurück nach Deutschland ging, wurde Bernd Klaschka als Geschäftsführer von Adveniat zuständig für Projekte in ganz Lateinamerika. Doch seine Prägung erhielt er bei den Otomí-Indianern, wie er in vielen Interviews immer iwder betonte: Hier habe er Armut und Not kennengelernt, aber auch den Reichtum der indianischen Kultur und die tiefe Volksreligiosität der Menschen.

Die Menschen in Orizabita bereiten ihrem ehemaligen Pfarrer einen herzlichen Empfang. Böllerschüsse dröhnen über dem Tal, als wir zur alten Pfarrkirche gehen, deren Bau 1756 begonnen wurde und die unter Bernd Klaschka restauriert werden konnte. Frauen und Männer in Otomí-Tracht warten vor dem Eingang, Geigen werden gespielt und zwei Frauen und ein Mann tragen Weihrauch und Blumen vor dem Zug der Menschen hinauf zur Kirche. Dort erhalten die Gäste aus Deutschland einen Blumenkranz umgehängt, Zeichen für den Segen und die Hochachtung.

Mit Blumen behängt: Bernd Klaschka mit einer Frau aus dem Volk der Otomí in Orizabita.

Hier kehrt jemand zurück in seiner zweite Heimat, das wird klar, als die Menschen von „ihrem“ Pfarrer sprechen, und als die Schlange derjenigen, die Bernd Klaschka umarmen wollen, gar nicht abreißen will.

Am Nachmittag, nach einigen weiteren Stationen im Bistum Tula, sind wir im Boxo zu Gast, einem weiteren kleinen Flecken im Bergland. Boxo gehört zur Pfarrei Cardonal, die den Anfang bildete für die Partnerschaft zwischen dem Bistum Münster und den Bistum Tula, zu dem Cardonal und Orizabita gehören. Bernd Klaschka ging als Priester des Bistums Münster zwei Mal ins Bistum Tula, um hier als „Fidei-Donum-Priester“ zu wirken. Jetzt ist der Bischof von Tula, Juan Pedro Juárez Meléndez, mit und nach Boxo gefahren. Die Weihe der Kapelle „Hl. Drei Könige“ steht an. Und wieder werden den Gästen Blumenkränze umgehängt, wird die Kultur der Otomí deutlich in der Weihezeremonie der Kapelle, die mit Hilfe von Adveniat errichtet werden konnte.

Dass man Mexiko nicht verstehen könne, wenn man die Indianer, ihre Geschichte und ihre Tradition nicht verstünde, hat Bernd Klaschka etliche Male betont. Hier, in den Bergen des Valle de Mezquital, wird deutlich, warum das so ist.