Honduras: Der schönste Tag

„Padre, Padre, Sie haben mich doch nicht vergessen?“ Schon man frühen Morgen hat Laura ganz aufgeregt bei Priester José Palma angerufen um sich zu vergewissern, dass er am Abend den Gottesdienst in der kleinen Kirche in El Guante, in Zentral-Honduras abhalten wird.

Schließlich ist heute Lauras großer Tag. Sie wird 15 Jahre alt. Und das ist für die Mädchen in Lateinamerika eine große Sache: „Die Quinceañera“. An diesem Tag werden sie vom Kind zur Frau, früher schenkte man ihnen zu diesem Anlass das erste Paar Schuhe mit Absatz.

„Das ist der schönste Tag in meinem Leben“, flüstert Laura und strahlt, als Padre José endlich mit seinem weißen Jeep vor der Kirche vorfährt. Sie trägt ein schulterfreies, pink-farbenes Ballkleid. Ein Traum aus glänzendem Satin – da würde sogar Barbie neidisch. Am Arm ihres Bruders wird Laura in langsamen Schritten durch den Mittelgang zum Altar geführt. Da nimmt sie auf einem kleinen Stühlchen platz.

Während der Pfarrer ein paar Worte über Träume, Lebensziele, Familie und Werte spricht und die 15-Jährige segnet, weinen die Mutter und die Tante ein bisschen vor Rührung. 10 kleine Mädchen in silberfarbenen Trägerkleidchen, mit blauem Lidschatten und rot geschminkten Lippen sitzen ganz verzückt in der ersten Reihe.

Auf uns wirkt die Veranstaltung ein wenig befremdlich. Aber wer weiß. In vor zehn Jahren hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass in Deutschland Halloween gefeiert wird. Heute ziehen Trupps von kleinen Vampiren, Hexen und Zauberern am 31. Oktober durch meine Straße und rufen: „Süßes oder es gibt Saures.“ Mein Patenkind Nina ist heute drei – ihr Berufswunsch: Prinzessin. Ich bin mir sicher, ihr würde die Idee der „Quinceañera“ gefallen. ENDE

Text: Gaby Herzog
Fotos: Achim Pohl