Im haitianischen „Supermarkt“ mit Eva im Bilderrahmen

Eva Habermann bei einem Gottesdienst während ihres Aufenthalts im April 2014. Foto: Adveniat/Steffen

Eva Habermann bei einem Gottesdienst während ihres Aufenthalts im April 2014. Foto: Adveniat/Steffen

Der Ausflug nach Léogâne war eher erschreckend. Außerhalb des Schwesternhauses herrschen echte Armut und auch Verzweiflung. Eine junge Frau bettelte die Schwestern um Geld an, um sie anschließend wüst als „méchant“ (böse) zu beschimpfen, als sie ihr nichts gaben. Die Frau machte aber auch den Eindruck, als stände sie unter Drogen. Sie war auf jeden Fall sehr aggressiv, und die Schwestern rieten mir dringend, ihr nichts zu geben, da sie „verrückt“ sei. Das war eine wirklich unangenehme Situation für mich.

Ich kann mir gut vorstellen, wie das ist, wenn man hier alleine unterwegs ist. Die Menschen sehen in einem dann eine wandelnde Geldquelle.
In dem Supermarkt konnte man alles Mögliche kaufen: Schreibutensilien, Getränke, Werkzeug und Lebensmittel … und Bilderrahmen. Bei der Gelegenheit habe ich festgestellt, dass ich in Haiti Werbung für Bilderrahmen mache: Im Bilderrahmen steckte ein Foto von mir, das sicherlich schon einige Jährchen alt ist. Die Schwestern wollten mir das erst nicht so richtig glauben, weil ich hier immer komplett ungeschminkt und „schlumpfig“ herumlaufe.

Der Supermarkt ist wirklich sehr gewöhnungsbedürftig. Ich wollte den Schwestern nächste Woche mal einen Apfelkuchen backen oder einen Nudelauflauf machen, aber es wird sehr kompliziert sein, hier die entsprechenden Zutaten zusammenzubekommen. Spaghetti isst man in Haiti übrigens wenn nur zum Frühstück. Andere Länder, andere Sitten.
Heute morgen in der Schule wurde ich von „Madame Eva“ zu „Schwester Eva“ befördert. Zumindest rufen mich die Kinder jetzt „sœur“ Eva. Die Kinder denken, ich sei auch eine Ordensfrau, insbesondere da ich noch nicht verheiratet bin und keine Kinder habe. Ich fühle mich auch bald wie eine solche: dreimal am Tag gemeinschaftliches Gebet in der Kapelle, um 21 Uhr ins Bett gehen, um 4:30 Uhr aufstehen, kein Nachtleben, kein Alkohol, keine Zigaretten. Die Schwestern verlassen abends das Haus auch nicht, und auf dem Terrain werden zwei Wachhunde rausgelassen, die jeden beißen, den sie treffen -auch die Schwestern. So beschützen sie das Schwesternhaus nachts vor ungebetenen Gästen und halten jeden von nächtlichen Ausflügen ab. 😉