Interkulturelle Berufsschule

Die katholische Berufsschule in Chol Chol in Südchile ist die Pionierin für interkulturelles Lernen. Seit 25 Jahren werden junge Mapucheindianer für das Hotelfach als Bürokaufmann und für Kinder- oder Krankenpflege ausgebildet. In der Schule spricht man neben Spanisch auch Mapundungong und das Schulgebet entspricht den traditionellen Riten. Die runden Formen des Schulgebäudes ähneln der Ruka-Hausform der Mapuche. Im Schulhof steht ein Rehue – der Totempfahl, der den Heiligen Ort markiert. Für den Mapuche und Diakon Victor Tidma besteht kein Zweifel: „Ich bin ein umso besserer Christ, je mehr ich meine Identität als Indianer lebe.“

Ich komme während des Unterrichts in ein Klassenzimmer. Die Lehrer fragen die Schüler des ersten Berufschuljahres, was sie über die Machi, die Heilerin, wissen oder wer von ihnen schon einmal am Kult, dem Guillatún teilgenommen hat. – Fast alle Hände gehen nach oben.

Don Antonio Purran, Lonco, d.h. Oberhaupt der Gemeinde Erzilla, bitte ich, einen kurzen Gruß in seiner Muttersprache zu sprechen. Der Gruß wird länger als gedacht, dabei bringt Don Antonio seinen Stolz zum Ausdruck, Mapuche zu sein, und dass die Kirche ihm die Würde zusprach, die er als Kind Gottes hat. Er freut sich über den Besuch aus Deutschland und über die Unterstützung Adveniats für die Ausbildung der inzwischen über 1500 Katecheten.
Thomas Wieland, Abteilungsleiter für Projekte bei Adveniat