Jahreswechsel mit Merengue

Brief vom 01. Januar 2011

„Wir Dominikaner sind das zweitfröhlichste Volk auf der Welt!“ wird mir immer wieder mit stolzer Stimme verkündet. Obwohl ich in einem armen Viertel untergebracht bin, ist es daher kein Problem, die Silvesternacht im Freien und mit Jugendlichen auf der Straße scherzend, trinkend und tanzend zu verbringen. Das angenehme Klima, der leichte Wind und die Musik, die gleichzeitig aus verschiedenen Lautsprechern tönt, laden ein mit merengue, bachata, perreo, timbao und choque in das Neue Jahr hinein zu tanzen. Dass Bier und Rum von den Jugendlichen getrunken wird, stört offenbar niemanden. Einzelne Erwachsene stehen am Gartenzaun, um ihre Sprösslinge nicht ganz aus den Augen zu verlieren. Es herrscht ein Klima der Fröhlichkeit, Ausgelassenheit und Lebenslust, die in einem angenehmen Rhythmus schwingt und bis in die frühen Morgenstunden hinein lachen lässt.

Mit starkem, ordentlich gezuckerten Kaffee und den üblichen tostones (gequetschten und gebratenen Kochbananen) oder mangú (Püree aus Kochbananen) wird dann am Vormittag der Kater und die Müdigkeit des Morgens vertrieben. Vom Nachbarhaus her hören wir schon wieder Merengue-Rhythmus, es wird erzählt und gelacht. Das Neue Jahr hat begonnen!

Magdalena Holztrattner