Mexiko: Journalisten unerwünscht!

Wer nach Mexiko einreisen möchte, muss eine so genannte Migrationskarte ausfüllen, in der abgefragt wird, aus welchem Grund man ins Land kommt, wie lange man bleiben will und auch, wo man sich aufhalten wird.

IMG_7993

Endlich angekommen! Adveniat-Redakteurin Nicola van Bonn, Journalistin Hilde Regeniter und Adveniat-Mexiko-Referent Reiner Wilhelm.

Bereits im Flugzeug hatten wir ausgiebig Zeit, uns mit diesem Dokument zu beschäftigen, einschließlich der Zollerklärung, die uns nun wirklich als unverdächtige Touristen offenbart: Schließlich führen wir weder Waffen, noch horrende Summen an Bargeld, keine Tiere oder andere lebende Organismen oder sonstige Zollgüter mit uns. Als was wir einreisen? Natürlich als Touristen. Dass nebenbei noch ein bisschen gearbeitet wird, müssen wir ja nicht gleich jedem auf die Nase binden.

Trotzdem stoßen wir dann bei der mit unerwartet deutscher Gründlichkeit vorgehenden Frau am Schalter doch noch auf Skepsis. „Sie sind also Touristin?“, fragt sie interessiert und mit unverhohlenem Misstrauen meine Kollegin vom Domradio. „Sí“, bejaht diese. „Welchen Beruf üben Sie aus?“, will die Dame wissen. Von der Frage völlig überrumpelt lautet die ehrliche Antwort: „Journalistin.“ „Aha, Sie sind also beruflich hier. Sie sind gar keine Touristin,“ schließt die Beamtin messerscharf. Ertappt! Aus der Nummer kommen wir nicht mehr raus.

„Zurück hinter die rote Linie!“

Alle Erklärungen scheinen das Misstrauen nur noch zu bestätigen. „Sie sind also bei CENAMI untergebracht. Was ist das denn?“ Meine Kollegin dreht sich hilfesuchend zu mir um. Ich krame hektisch in meiner Tasche nach den Unterlagen, um die spanische Abkürzung korrekt aufzulösen. Auch das wirkt nicht gerade vertrauenerweckend. Da, jetzt habe ich es gefunden. Mit einem Lächeln der Erleichterung trete ich vor, um die Verwirrung aufzulösen: „Centro Nacional de Misiones Indígenas“. „Zurück hinter die rote Linie“, herrscht mich die Dame in scharfem Ton an. Ich sei noch nicht dran, werde ich zum Schweigen verurteilt.

Schließlich bekommt die Kollegin ihren Stempel – schön weit hinten im Pass. Dann bin ich dran und darf mich derselben Befragung unterziehen, die mich als Journalistin entlarvt, die sich hier einfach als Touristin einschleichen will. Fast sind wir durch die Kontrolle. Aber im letzten Moment schließt sich die Tür: „Koffer öffnen, bitte!“, während alle anderen durchgewunken werden. Wir fühlen uns wie Staatsfeinde. Journalisten sind hier offenbar unerwünscht, ein Risiko für die öffentliche Sicherheit. Doch dann entschädigt uns der herzliche Empfang, den uns Mari von CENAMI und mein Kollege Reiner bereiten, für alle Unannehmlichkeiten. Endlich sind wir angekommen.

Nicola van Bonn ist Redakteurin bei Adveniat. Derzeit ist sie in Vorbereitung auf die Berichterstattung zur Papstreise mit einer Gruppe von Journalisten unterwegs in Mexiko.