Journalistin Sandra Weiss berichtet aus Haiti

Es gibt eine gute Nachricht aus Haiti: Es hat sehr viel geregnet in diesem Sommer. Die Wiesen sind grün, die Flüsse haben Wasser, die Felder sind bestellt. Aus dem Flieger sieht die fruchtbare Schwemmlandschaft im Artibonite-Tal mit ihrem Rautenmuster in verschiedenen Grüntönen fast aus wie eine mitteleurpäische Ackerlandschaft. „Das ist wichtig, damit unsere Wirtschaft wieder in Schwung kommt“, sagt mir ein paar Stunden später der Universitätsprofessor Max Paul, der auf Haiti ein Zentrum für Frieden und gewaltfreie Konfliktbewältigung leitet. Doch die herrlich grünen Äcker dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass Haitis Landwirtschaft auf gläsernen Füssen steht: die Berge sind nahezu komplett abgeholzt, der Boden ist erodiert, die Landwirtschaft hängt von der Wetterlage ab – das heisst, wenn es nicht regnet, verdorrt alles. Und wenn es zu viel regnet – wie bei den gefürchteten Hurrikanen – steht sofort alles unter Wasser. „Wir müssen die Umwelt schützen, wiederaufforsten“, sagt Paul. „Nur das sichert langfristig unsere Ernährung.“ Haitis Wiederaufbau, wird schon am ersten Abend klar, ist komplex und langwierig.

Haiti aus der Vogelperspektive

Text und Foto: Sandra Weiss