Bolivien: Schaumkämpfe mit dem Präsidenten

So zeigt sich Evo Morales gerne - volksnah. Fotos: Achim Pohl/Adveniat

So zeigt sich Evo Morales gerne – volksnah. Fotos: Achim Pohl/Adveniat

Wer an karnevalistische Städte denkt, dem fallen Rio de Janeiro, Venedig oder Köln ein. Aber auch in La Paz wird kräftig gefeiert! Seit Donnerstag gibt es hier jeden Tag kleinere oder größere „entradas“, Umzüge. Traditionelle Musik und Kostüme dürfen dabei natürlich nicht fehlen. Anders als in Deutschland sind die Zuschauer allerdings nicht verkleidet – und so fielen wir gar nicht weiter auf. Wir, das ist ein kleines Adveniat-Team auf Recherchereise in Bolivien.

Während eines Spaziergangs durch La Paz hörten wir auf einmal Musikkapellen und sahen verkleidete Leute. Wir folgten der Musik und erreichten die Plaza Murillo, wo am Regierungspalast ein Karnevalsumzug vorbeiging. Direkt vor dem Regierungssitz war eine kleine Tribüne aufgebaut, und dort saß ein gut gelaunter Präsident Evo Morales neben Vizepräsidente Álvaro García Linera.

Sobald eine Gruppe vorbeizog, zückten die Politiker ihre Schaumdosen und besprühten die Karnevalisten von oben bis unten. Respekt vor dem Präsidenten wäre hier fehl am Platz gewesen: die Eingeschäumten revanchierten sich mit einer Schaumdusche. Und so kam es alle fünf bis zehn Minuten zu ausführlichen Schaumkämpfen – bis beide Parteien vollkommen weiß waren oder die Dosen leer.

Eingeschäumt vom Präsidenten

Noch am Tag zuvor hatten die Schaumkämpfenden zusammengearbeitet. Der Freitag ist nämlich der Karnevalstag, an dem die Arbeitsstätten in Bolivien im Vordergrund stehen und damit auch der Umzug der Ministerien. Jedes Ministerium präsentierte sich gruppenweise in einem anderen Kostüm und mit einer anderen Band. Sonia Villariencio aus dem Justizministerium ist nach Ende des Umzugs noch ganz aufgeregt, dabei ist sie schon seit 13 Jahren dabei. Schon lange freut sie sich auf diesen Tag: „Es ist wirklich schön, die Kostüme und Tänze den Menschen und natürlich dem Präsidenten vorzuführen.“

Evo Morales zeigte sich so, wie er sich gerne präsentiert: volksnah. Immer wieder wurden Kinder zu ihm auf die Tribüne gehoben, Fotos gemacht, Hände geschüttelt. Und natürlich geschäumt. Vom Präsidenten eingeschäumt zu werden ist eine Ehre für viele Bolivianer, die auch Achim, dem Fotografen in unserem Team, zukommen sollte. Um ein möglichst gutes Foto zu bekommen, pirschte er sich immer näher an die Tribüne heran. Schon hatte ihn der Präsident entdeckt – und attackiert.

_MG_4531Auch nach dem Umzug hatte der scheinbar karnevalistische Evo Morales noch nicht genug. Im Laufschritt lief er um den Platz, gefolgt von einer riesigen Menschenmenge. Immer wieder wurde der Präsident zum Tanz aufgefordert oder mit dem traditionellen Schaum besprüht. Eines muss man ihm lassen: Der bolivianische Präsident weiß, wie er die Menschen begeistert.

Und so klingt es, wenn in La Paz mit Pauken und Trompeten Karneval gefeiert wird: