Katholikentagsblog: Zeigt her Eure Füße, zeigt her Eure Schuh!

Der Padre aus Argentinien auf dem Katholikentag

Der Padre aus Argentinien auf dem Katholikentag

Regensburg macht seinem Namen alle Ehre: Bindfadenregen vom feinsten – und das in der nördlichsten Stadt Italiens (wie der Regensburger seine Heimat gerne nennt). Pitschnasse Schuhe stehen beim Katholikentag bisher auf dem Pilgerprogramm. Nur bei Padre Sebastián Sury nicht – er trägt, ganz wie in seiner Heimatstadt Buenos Aires, Sandalen – da fließt das Wasser besser ab. Padre Sebastián lebt und arbeitet seit 18 Jahren in einem Armenviertel von Buenos Aires. 30.000 Seelen zählt seine Pfarrei. Mit dem ehemaligen Kardinal Jorge Mario Bergoglio, heute Papst Franziskus, hat er eng zusammengearbeitet. Das Interesse am Papst vom anderen Ende der Welt ist groß auf dem Katholikentag. Ja, der Franziskus-Faktor wird sogar von Journalisten erfragt. Ein Fernsehteam des BR begleitet den Priester mit den „Jesuslatschen“.

Padre Sebastián (2. von rechts) und Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens (Mitte) im Gespräch.

Padre Sebastián (2. von rechts) und Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens (Mitte) im Gespräch.

Auf die Frage einer Journalistin von der Mittelbayerischen Zeitung, was sich in Padre Sabastiáns Pfarrei geändert hat, seitdem der Kardinal zum Papst ernannt wurde, antwortet er spitzbübisch „Wir haben das Bild von Benedikt gegen ein Bild von Franziskus ausgetauscht“ – und lacht. Aber Scherz bei Seite: stolz und bestärkt seien natürlich alle Menschen in seinem Viertel, dass sie Franziskus persönlich kennen würden und schon oft mit ihm das argentinische Nationalgetränk Matetee geteilt hätten. Und er sei heute noch der Alte: Vor kurzem hatte Sebastián seinen Besuch in Rom angekündigt und „Jorge“, wie er Papst Franziskus weiterhin anspricht, habe gesagt ‚Du kannst bei mir übernachten‘. Und so kam es, dass Padre Sebastián letzte Woche im Zimmer neben dem Papst genächtigt und jeden Morgen mit seinem ehemaligen Bischof zusammen gefrühstückt hat.

Insbesondere diese Nähe zu den Menschen ist es, die den Franziskus-Faktor ausmacht. Hinzu kommt eine Bescheidenheit, die Platz schafft für Jesus unJE_Blog_Katho_09_3d Brücken baut zwischen den Menschen. Zum Franziskus-Stil gehöre zudem auch die „Abrüstung der Kleidung“ wie der Pastoraltheloge Michael Sievernich auf dem Podium „Theologie der Armen versus globale Gleichgültigkeit“ mit einem Augenzwinkern gesagt hat. Womit wir wieder beim Schuhwerk wären: Kardinal Bergoglio, heute Papst Franziskus, habe im Jesuitenkolleg immer die Schuhe der Seminaristen kontrolliert, erzählt Prof. Sievernich. Wer keine staubigen Treter hatte, sei von Bergoglio gefragt worden, ob er den ganzen Tag nicht gearbeitet hat.

JE_Blog_Katho_09_2Kirche soll also wie Armenpriester Sebastián auf die Straße gehen, auch wenn der Weg matschig ist – so wie vorm Adveniat-Stand (VIII HW-17) auf dem Katholikentag. Also zieht Euch die Gummistiefel – oder gerne auch Sandalen – an und besucht Padre Sebastián und Adveniat! Matetee gibt’s zwar heuer leider nicht, aber heißen Kaffee und trockenen Humor!

Text: Carolin Kronenburg
Sehr schöne Fotos: Jürgen Escher