Internationaler Kinderbuchtag: Mit dem Mörder weinen

Chile 13

In Chile, „wo das Land in die kalten Wellen des Pazifiks ausfranst“, spielt der Jugendroman „Der Mörder weinte“. Foto: Christof Haverkamp

Ich liebe Jugendbücher – auch wenn ich zugeben muss, dass ich weit von der Zielgruppe entfernt bin. Ich mag die klare Sprache und den Witz, der durch die Zeilen vieler Jugendbuchautoren fließt. Es ist wichtig, (jungen) Menschen komplexe Sachverhalte zu erklären – und dafür mehr Platz zu haben, als in eine WhatsApp-Kurznachricht passt.

Schatzinsel heißt meine kleine Buchhandlung, die ihrem Namen immer wieder gerecht wird. Dort habe ich „Der Joker“ und „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak entdeckt, „Einmal“ von Morris Gleitzmann gefunden und mich in Auggie aus „Wunder“ von Raquel J. Palacio verliebt. Auf meine ewige Bestenliste hat es auch „Zeit der Wunder“ von Anne-Laure Bondoux geschafft. Das Buch habe ich bereits so oft verschenkt, dass meinetwegen eine Neuauflage gedruckt werden musste, meint zumindest die Buchhändlerin.

mörder

Der Roman wurde mehrfach nominiert und ausgezeichnet. Zuletzt mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbruchpreis 2015

Schaudern, weinen, lachen und genießen

Mit der kategorischen Aufforderung, „Das müssen sie lesen!“, legte sie mir deshalb auch das zweite Buch der französische Autorin in den Warenkorb. Und so machte ich mich kurze Zeit später auf den Weg an das südlichste Ende Chiles, „wo das Land in die kalten Wellen des Pazifiks ausfranst, war das Ende der Welt“. In dieser rauen Landschaft lebt Paolo mit seinen Eltern ein karges Leben – bis Angel Alegria jäh in sein Leben tritt. Ohne Zögern tötet er Paolos Eltern, den Jungen jedoch verschont der Mörder …

Viel mehr muss man vorm Aufschlagen des Buches gar nicht wissen, sondern einfach schaudern, weinen, lachen und genießen! Ach doch, eines noch: Bitte nicht versehentlich die letzte Seite aufschlagen – der Hinweis auf ein historisches Ereignis verrät den Ausgang des Buches. „Der Mörder weinte“ ist Lateinamerika in Leinen gebunden und lässt seine „jugendlichen“ Leserinnen und Leser trotz der rauen Umwelt, der Einsamkeit und den Schuldverstrickungen mit der Hoffnung auf Sühne und Vergebung sowie mit zarten Banden des Vertrauens zurück.