Kleine Öfen auf dem Mittagstisch

anafres-im-restaurantGleich nach der Ankunft in der Hauptstadt Tegucigalpa sorgt unser Gastgeber Roque Zelaya dafür, dass wir landestypisches Essen probieren. Der Künstler nimmt uns mit zu einem kleinen Restaurant. Es liegt ruhig – etwas außerhalb des Zentrums – auf einer kleinen Anhöhe. Außer uns ist kaum jemand da. Dekoratioin gibt es keine und so sieht der große, viereckige Raum mit 30 Tischen ein bisschen wie eine Mensa aus. Die Stille und der Schatten sind entspannend.

Wegen der Fliegen und Mücken, erklärt Roque, haben die Besitzer das Restaurant vollständig mit einem Gitter umringt. Das Radio ist an und uns plärren amerikanische Popsongs entgegen, die sich mit honduranischen Klassikern  abwechseln. An der Decke hängt ein riesiger Flachbildschirm, der aber ausgeschaltet ist.

Die Honduraner essen gerne Fleisch, also bekommen wir davon auch jede Menge. Roque bestellt für uns, weil wir nicht wirklich schlau aus der Karte werden. Nach einer kurzen Wartezeit kommt die erste Überraschung: ein kleiner Tonofen mit einer Schale darauf, ungefähr so groß wie ein Schokoladenfondue. „Anafres“ heißen sie hier. Roque sagt, dass es richtig wohl „anafes“ hieße, aber das klänge ja nur halb so schön- Unten raucht es aus den kleinen Löchern und oben brutzelt „chorizo“ (scharfe Salamiwürstchen) mit Bohnenpüree und Käse. Mit kleinen Tacochips bewaffnet löffeln wir die Tonschälchen aus. Dann die nächste Überraschung: wir sind schon satt und es kommt noch mehr Essen. Roque muss den Eindruck gehabt haben, wir hätten seit 24 Stunden nichts mehr gegessen. Die zweite Portion sind weiche Tacos, in die wir kleine, dicke Fleischstücke, Tomaten, Käse und noch mal Bohnenpüree einrollen. Bohnen sind hier anscheinend essentiell. Es gab sie heute morgen auch schon wieder zum Frühstück.

Text: Julia Mahncke