Kopfrechnerische Höchstleistungen

Komplizierte Angelegenheit: Haitianische GeldscheineGeld ist eine komplizierte Angelegenheit auf Haiti. Scheinbar selbstverständlich jonglieren die Haitiianer mit drei Währungen gleichzeitig, von denen eine noch dazu fiktiv ist. Da gibt es zum einen die offizielle Landeswährung Gourdes. Abgegriffene Papierscheine mit den Nationalhelden oder Gebäuden wie dem beim Beben zusammengebrochenen Präsidentenpalast. 40 Gourdes entsprechen einem US-Dollar. Der grüne Schein ist die Lieblingswährung der Bessergestellten und wird fast überall entgegen genommen, wo es Importwaren zu kaufen gibt. “Luxusgüter” wie Autos, Flugtickets oder Hausmieten müssen sowieso in US-Dollar gezahlt werden. Die dritte Währung ist der haitianische Dollar. Er hat nie existiert, sondern ist eine Erinnerung an frühere Zeiten, in denen fünf Gourdes einen US-Dollar wert waren und die Umrechnung relativ einfach. Inzwischen hat sich das Verhältnis leider verschoben, Knapp 9 haitianische Dollar ergeben einen US-Dollar und fünf Gourdes einen haitianischen Dollar. So weit, so gut. Zu meinem Leidwesen sind die Preise meist in fiktiven haitianischen Dollar festgesetzt, was mir zu den unpassendsten Gelegenheiten – etwa, wenn ich Durst habe und am Strassenrand ein Wasser kaufen will – kopfrechnerische Höchstleistungen abfordert, um herauszufinden, ob mich der Verkäufer gerade über den Tisch ziehen will oder nicht.

Text und Foto: Sandra Weiss