Kuba: Die Cola des Vergessens

Maria Sanchez ist 82 Jahre alt und geht jeden Tag in die Kirchengemeinde von Santa Teresia, im Stadtteil Santa Amalia, um dort zu frühstücken. Die Gemeinschaft mit den anderen Alten tut ihr gut. Aber noch viel wichtiger ist das Essen. Überlebenswichtig sogar.

Denn die alte Dame lebt alleine. Ihre monatliche Rente beträgt umgerechnet fünf Euro Fünfzig. Nein, kein Schreib- oder Rechenfehler… 5.58 Euro. Das war’s. Davon muss Maria Strom bezahlen, Miete, Medikamente und Essen. Zwar gibt es für jeden Kubaner Lebensmittelmarken – aber die reichen bei weitem nicht aus.

Glücklich ist, wer Verwandte im Ausland hat, die regelmäßig Geld schicken. Doch auch Maria und die anderen Senioren beim Frühstückstisch haben Kinder und Enkel die die Insel verlassen und meist in den USA ihr Glück gesucht haben.

Warum sind die Zurück gebliebenen dann dennoch auf kirchliche Hilfe angewiesen? “In den Staaten gibt es alles im Überfluss”, sagt Maria und schaut in die Runde. “Kleidung, Essen, Computer aber auch dieses eine Getränk von dem unsere Kinder einfach zu viel trinken”, sagt sie und die Anderen wissen sofort, was sie meint. “La Coca Cola del Olvido” – die Coca Cola des Vergessens…

Text: Gaby Herzog
Foto: Martin Steffen