Kuba: Die Jungfrau auf großer Fahrt

Es gab ganz genaue Anweisungen vom Bischof: Die Virgen de la Caridad darf nur im Kofferraum eines Spezial-Autos transportiert und nur wenige Meter zu ihrem Bestimmungsort getragen werden. Immer auf den Schultern vor vier starken Männern. Darauf hat Monseñor Dionsio García bestanden. Als Erzbischof von Santiago de Cuba ist die Marienstatue in seiner Obhut.

Zum 400. Jahrestag des Nationalheiligtums von El Cobre hat sich die „Barmherzige Jungfrau“ zu einer großen Reise durch das ganze Land aufgemacht. Die zierliche Figur mit der Krone, dem goldenen Umhang und dem süßen Lächeln, ist die Schutzpatronin Kubas. Wenn Papst Benedikt XVI. Ende März die Karibikinsel besucht, dann wird er nicht nur in zwei großen Messen zu den Inselbewohnern sprechen – er wird auch als Pilger zur Jungfrau von Cobre reisen.

Bevor der Heilige Vater sie besuchen kommt, hat die Virgen die Kubaner besucht. In 18 Monaten wurde die Heiligenfigur durch das ganze Land transportiert. Von West nach Ost hat sie in mehr als 2.500 Dörfern und Städten Halt gemacht und so, bis zur sicheren Rückkehr in die Basilika von El Cobre, knapp 30.000 Kilometer zurückgelegt.

In einem Diavortrag in einem Gemeindehaus in Guantánamo haben wir diese lange Reise nachvollzogen. Diavortrag… klingt schrecklich, war aber doch kurzweilig. Überall wo die zart lächelnde Señora auftauchte, wurde sie mit großem Bahnhof empfangen. Hunderte Menschen kamen, um die Virgen zu bestaunen. Auf Kuba, wo Transport ein ständiges Problem ist, ist es sonst nur den Wenigsten vergönnt, die Nationalheilige in El Cobre zu sehen. Entsprechend groß war das Interesse.

Auf den ersten Fotos sehen wir die Jungfrau ganz klassisch auf Marktplätzen und Kirchen, in Schulen und Gemeindehäusern. Ein paar Bilder später steht sie plötzlich zart lächelnd neben einem Fernseher in einer provisorischen Kirche in einem Privathaus (einem so genannten “Casa de misiones“), dann sehen wir, wie sie über viele Hügel in die dichten Wälder von Guantánamo getragen wird. Beim nächsten Klick des Video-Beamers steht die Statue, offenbar im schlimmsten Regen, im Schutz eines dicken Würgefeigen-Baums. Dann, „klick“, am Strand in der Morgenröte, „klick“ mitten in einer kargen Berglandschaft, von einem rot-getupften Regenschirm vor Sonne geschützt.

Dann kommt das letzte Bild. Bischof Wilfredo Pino Estévez von Guantánamo, der den Diavortrag persönlich kommentiert, macht eine Kunstpause bevor er weiterklickt. Foto 141. Es zeigt den Bischof selbst, mit Kuba-Fahne in der rechten Hand, wie er breit grinsend auf einem Holz-Floß steht und über einen Fluss gleitet. Hinter ihm auf dem Wasser – auf einem zweiten, noch kleineren Floß – die Virgen in der Plexiglas-Box! Wie gut, dass Monseñor Dionsio García nicht mit uns beim Diaabend war!

Text: Gaby Herzog
Fotos: Martin Steffen/privat