Kuba: Ein gewisser Benedikt

Manchmal bestaunen die Jugendlichen auf der Straße das große, silberne Kreuz, das Wilfredo Pino Estévez um seine Hals trägt. „Kaum zu glauben, aber einige der Jungen und Mädchen wissen nicht, wer ‚la Figura’, die Figur mit den ausgebreiteten Armen ist“, erzählt uns Monseñor beim Abendessen.

Ein Klippen-Springer in Acapulco, der sich zum Sprung bereit macht? Ein Superheld aus einem Komik? Alles scheint möglich. “Es ist wirklich schockierend, wie wenig die jungen Leute in Kuba heute von Jesus und der Kirche wissen. Der staatlich verordnete Atheismus hat seit der Revolution ganze Arbeit geleistet.”

Am nächsten Morgen bringt uns der Bischof mit dem Auto von Guantánamo zurück nach Santiago de Cuba, von wo aus wir nach Havanna und dann weiter nach Hause fliegen werden. Auf halber Strecke nehmen wir eine Anhalterin mit – ganz normal in Kuba. Als die Frau auf dem Rücksitz Platz nimmt, stellt der Bischof uns kurz vor, erklärt der neuen Reisegenossin, dass Martin und ich für Adveniat unterwegs sind, um von den Vorbereitungen über den anstehenden Papstbesuch zu berichten.

“In unseren Gemeinden machen wir mit den Gläubigen, als Vorbereitung, ein Papst-Quiz”, erzählt der Bischof weiter und die Dame legt den Sicherheitsgurt an. “Das sind 33 Fragen rund um den Heiligen Vater.“ So etwas wie: Wer war Petrus? In welcher Stadt wohnt der Papst? Wie heißt der Papst mit weltlichem Namen?

Martin und ich antworten und Monseñor übt im Gegenzug die akzentfreie Aussprache von “Joseph, José Ratzinger”. Die Anhalterin hört freundlich lächelnd zu und schweigt. In Santiago angekommen, lassen wir sie in einer Plattenbausiedlung am Stadtrand raus. Bevor sie die Tür schließt, fragt sie: “Und wie heißt jetzt dieser Papst, der uns im März besuchen kommt?”

“Benedikt XVI.”, antwortet Bischof Wilfredo Pino Estévez fröhlich, winkt der Dame zum Abschied und fährt weiter. “Seht ihr, es gibt hier noch viel für uns zu tun.”  ENDE

Text: Gaby Herzog
Fotos: Martin Steffen